Was ist die PPL(H)?
Die Private Pilot Licence (Helicopter) ist eine europäische Lizenz nach EASA Part-FCL. Sie berechtigt dich, Helikopter im nicht-gewerblichen Betrieb zu führen — also private Flüge mit Freunden und Familie, aber kein bezahlter Personen- oder Frachttransport. In der Schweiz wird sie durch das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) ausgestellt, basiert aber vollständig auf EASA-Regulierung und ist dadurch in allen EASA-Staaten gültig.
Mit der PPL(H) darfst du:
- Helikopter unter Sichtflugregeln (VFR) am Tag fliegen
- Passagiere mitnehmen (sobald du die geforderten Mitnahme-Voraussetzungen erfüllst)
- Mit eingetragenen Mustern fliegen, für die du eine gültige Class- oder Type-Rating-Eintragung hast
Was du nicht darfst: Geld fürs Fliegen verlangen (ausser anteilige Kostenteilung nach klar definierten Regeln), Instrumentenflug ohne IR(H), Nachtflug ohne Night Rating.
Wer kann die PPL(H) machen?
Die Einstiegshürden sind überschaubar:
- Mindestalter: 17 Jahre für die Lizenzausstellung. Mit dem Theorieunterricht und der Flugausbildung kannst du früher starten; der erste Alleinflug ist ab 16 Jahren möglich.
- Medical Class 2: Du brauchst ein gültiges flugmedizinisches Tauglichkeitszeugnis. Ausgestellt von einem vom BAZL anerkannten Aeromedical Examiner (AME). Kosten: typischerweise CHF 300–500 für die Erstuntersuchung.
- Sprachkenntnisse: Language Proficiency in Englisch (mindestens Level 4 ICAO) ist für Funkverkehr im Ausland nötig. Für rein schweizerische Flüge reicht Deutsch/Französisch/Italienisch je nach FIR.
- Strafregisterauszug: Wird vom BAZL bei Lizenzausstellung verlangt.
Eine bestimmte Schulbildung ist nicht vorgeschrieben. Mathe und Physik auf Sekundarstufe-II-Niveau helfen dir aber bei Fächern wie Navigation, Performance und Principles of Flight.
Der Weg von Null zur Lizenz
1. Theorieausbildung
Du musst neun EASA-Theoriefächer absolvieren:
- Air Law
- Human Performance
- Meteorology
- Communications (VFR)
- Principles of Flight (Helicopter)
- Operational Procedures
- Flight Performance and Planning
- Aircraft General Knowledge (Helicopter)
- Navigation
Der Theorieunterricht wird über eine zugelassene Ausbildungsorganisation (DTO oder ATO) abgewickelt. Insgesamt sind mindestens 100 Stunden Theorieunterricht vorgeschrieben, davon ein Teil im Selbststudium. Aero.Academy deckt diese Fächer mit adaptiven Fragenkatalogen und KI-gestütztem Üben ab.
2. BAZL-Theorieprüfung
Die Prüfung erfolgt in der Schweiz beim BAZL als computerbasierter Test (ECQB-PPL-H). Es sind neun separate Fächerprüfungen mit Multiple-Choice-Fragen. Bestehensgrenze: 75 % pro Fach. Du hast 18 Monate ab dem ersten bestandenen Fach Zeit, alle neun abzuschliessen. Innerhalb dieser Frist sind maximal vier Anläufe pro Fach erlaubt. Nach Bestehen aller Fächer hast du 24 Monate, um die praktische Prüfung abzulegen.
Aktuelle BAZL-Gebühren: rund CHF 60 pro Fachprüfung, Stand 2024 — prüfe das vor der Anmeldung auf bazl.admin.ch.
3. Praktische Flugausbildung
Mindestanforderungen nach FCL.210.H:
- 45 Flugstunden total auf Helikoptern
- Davon 25 Stunden Dual (mit Fluglehrer)
- Davon 10 Stunden Solo, inklusive 5 Stunden Solo-Überlandflug mit einem Cross-Country-Flug von mindestens 185 km (100 NM) und Zwischenlandungen auf zwei verschiedenen Plätzen
- Bis zu 5 Stunden dürfen im zugelassenen FSTD (Simulator) absolviert werden
Die Ausbildung läuft über eine ATO (Approved Training Organisation) oder DTO (Declared Training Organisation). In der Schweiz gibt es eine Handvoll Heli-Schulen, primär im Mittelland und im Wallis. Übliche Schultypen: Robinson R22, Cabri G2, gelegentlich Schweizer 300.
4. Skill Test
Den Abschluss bildet der praktische Skill Test mit einem vom BAZL bestellten Examiner. Geprüft werden Flugplanung, Vorflugkontrolle, Manöver (Hovering, Autorotation, Quickstops, Confined Area, etc.), Navigation, Notverfahren und Funk.
Kostenrahmen
Realistisch musst du in der Schweiz mit CHF 35'000 bis 55'000 rechnen, abhängig von Schule, Mustertyp und wie effizient du durchziehst. Die R22 ist günstiger pro Stunde als der Cabri, aber tendenziell anspruchsvoller zu fliegen. Wer mehr als die Mindestanzahl Stunden braucht — was häufig vorkommt —, landet schnell im oberen Bereich.
Hauptkostenblöcke:
- Flugstunden Dual: CHF 600–800/h
- Flugstunden Solo: CHF 400–600/h
- Theorie: CHF 1'500–3'000
- Medical, Prüfungsgebühren BAZL, Lizenzausstellung: rund CHF 1'000–1'500
Nach der Lizenz
Mit der frischen PPL(H) bist du auf das Muster eingetragen, auf dem du geprüft hast. Weitere Type Ratings (z. B. Bell 206, AS350) kannst du nachträglich erwerben. Erweiterungen wie Night Rating, Mountain Rating (in der Schweiz besonders relevant) oder später IR(H) und CPL(H) bauen auf der PPL(H) auf.
Wichtig für die Aufrechterhaltung: Rolling-Recency für Passagiermitnahme (3 Starts und Landungen in den letzten 90 Tagen auf dem entsprechenden Muster), gültiges Medical und alle zwei Jahre ein Proficiency Check oder die Erfüllung der Flugerfahrungs-Voraussetzungen für die Verlängerung des Type Ratings.