Was ist das Medical Klasse 2?
Das Medical Klasse 2 ist das medizinische Tauglichkeitszeugnis, das du für eine private Pilotenlizenz auf Flächenflugzeugen (PPL(A)) brauchst. Es ist in der EASA-Verordnung Part-MED geregelt und gilt EU-weit einheitlich. Für die LAPL (Light Aircraft Pilot Licence) reicht ein etwas weniger strenges LAPL-Medical — beide werden aber vom gleichen Arzt ausgestellt, und in der Praxis lohnt sich fast immer direkt das Klasse 2, weil du damit beide Lizenzen abdeckst.
Wichtig: Du brauchst das Medical bevor du deinen ersten Soloflug machst. Theorie lernen und die ersten Ausbildungsflüge mit Fluglehrer kannst du auch ohne — aber kein vernünftiger Flugschulleiter lässt dich starten, ohne dass das Medical zumindest in Arbeit ist. Mach es früh.
Wer darf das Medical ausstellen?
In Österreich darf nur ein von Austro Control anerkannter flugmedizinischer Sachverständiger, ein AeMC (Aero-Medical Centre) oder AME (Aero-Medical Examiner), das Klasse-2-Medical ausstellen. Eine aktuelle Liste der zugelassenen Ärzte findest du auf der Website von Austro Control unter den flugmedizinischen Sachverständigen.
Du kannst dir den AME frei aussuchen — geografische Nähe ist meist das einzige Kriterium. Termin telefonisch oder online direkt beim Arzt vereinbaren, nicht über Austro Control.
Was wird beim Erstantrag geprüft?
Der Erstantrag (Initial) ist deutlich gründlicher als die späteren Verlängerungen. Plane dafür 2 bis 3 Stunden ein.
Untersucht werden:
- Anamnese: ausführlicher Fragebogen zu Vorerkrankungen, Operationen, Medikamenten, Allergien, Familienanamnese
- Augen: Sehschärfe (Fern- und Nahsicht), Farbsehen (meist Ishihara-Tafeln), Gesichtsfeld, Augenstellung
- Hören: Audiogramm (Tonaudiometrie) und Flüstertest
- Herz-Kreislauf: Ruhe-EKG, Blutdruck, Auskultation
- Lunge: Spirometrie (Lungenfunktion), Auskultation
- Urin: Standard-Streifentest (Zucker, Eiweiss, Blut)
- Neurologisch/orthopädisch: Reflexe, Koordination, Beweglichkeit
- Blut: beim Erstantrag häufig Hämoglobin und Blutzucker
- Allgemeiner Status: Körpergrösse, Gewicht, BMI
Bei Auffälligkeiten kann der AME Zusatzuntersuchungen anordnen — etwa ein Belastungs-EKG, eine augenärztliche Begutachtung oder ein HNO-Konsil. Das verzögert die Ausstellung und kostet extra.
Was du mitbringen solltest
- Lichtbildausweis (Reisepass oder Personalausweis)
- vorhandene Brille oder Kontaktlinsen plus aktuelles Brillenrezept
- Liste aller Medikamente, die du nimmst
- Befunde zu chronischen Erkrankungen oder Operationen
- bei vorhandenem Pilotenschein: bisheriges Medical
Sei ehrlich. Falschangaben sind kein Kavaliersdelikt — sie können zum Entzug des Medicals und der Lizenz führen. Viele Erkrankungen sind mit Auflagen oder nach Zusatzuntersuchung problemlos vereinbar; verschwiegene Diagnosen sind es nicht.
Gültigkeit
Die Gültigkeit hängt vom Alter bei der Untersuchung ab:
- bis 39 Jahre: 5 Jahre gültig (läuft aber spätestens am 42. Geburtstag aus)
- 40 bis 49 Jahre: 2 Jahre, ausser bei Ausstellung vor dem 40. → bis zum 42. Geburtstag, danach 1 Jahr
- ab 50 Jahre: 1 Jahr
Genauer: Wenn du dein Medical mit 39 bekommst und mit 40 fliegst, gilt es trotzdem bis zur ursprünglichen Frist — aber spätestens 2 Jahre nach Ausstellung bzw. bis 42. Geburtstag. Die Übergänge an den Altersgrenzen sind etwas verschachtelt; im Zweifel rechnet dir das dein AME genau aus.
Verlängerungen sind kürzer und günstiger als der Erstantrag, weil keine vollständige Erstuntersuchung mehr nötig ist. Du kannst bis zu 45 Tage vor Ablauf verlängern, ohne dass der neue Gültigkeitszeitraum verkürzt wird.
Kosten
Die Preise sind nicht reguliert, jeder AME kalkuliert selbst. Realistische Bandbreite in Österreich (Stand 2024):
- Erstantrag Klasse 2: rund 180 bis 280 Euro
- Verlängerung: rund 100 bis 180 Euro
- Zusatzuntersuchungen (Belastungs-EKG, Augenfacharzt etc.): jeweils extra, oft 80–200 Euro
Die Krankenkasse zahlt nichts dazu — es ist eine privatärztliche Leistung. Frag beim Termin direkt nach dem Preis.
Brille, Kontaktlinsen, Sehkraft
Brillenträger:innen sind weder Exoten noch ein Problem. Das Medical wird mit der Auflage VDL (Visual Correction Required — "shall wear corrective lenses") ausgestellt. Du musst die Brille (oder Kontaktlinsen) dann beim Fliegen tragen und eine Ersatzbrille mitführen.
Grenzwerte für Klasse 2 grob zusammengefasst:
- Fernvisus: mit Korrektur mindestens 1.0 (jedes Auge), Binokular ebenfalls 1.0
- Refraktion: bis ±5 Dioptrien sphärisch unproblematisch, darüber Einzelfallprüfung
- Farbsehen: muss "sicher" sein. Wer Ishihara nicht besteht, hat noch Chancen über Folgetests (z. B. Farnsworth Lantern). Bei dauerhaftem Ausfall gibt es die Einschränkung "nur bei Tag" (OCL)
- Refraktive Eingriffe (LASIK etc.) sind erlaubt, müssen aber dokumentiert sein und stabilisiert (typisch ≥12 Monate post-OP)
Ablauf in der Praxis
- AME aus der Austro-Control-Liste auswählen, Termin vereinbaren
- Vorab das Antragsformular ausfüllen (bekommst du vom AME oder von Austro Control)
- Untersuchung — meist an einem Termin abgeschlossen, ausser es braucht Zusatzbefunde
- Bei Eignung händigt dir der AME das Zeugnis direkt aus, der Antrag geht digital an Austro Control
- Du behältst dein Medical immer beim Fliegen als Papier oder digital griffbereit
Mein Tipp: Mach das Medical vor der Anmeldung zur Flugschule. Falls ein Befund kommt, der Zusatzuntersuchungen verlangt, weisst du das, bevor du dich finanziell festgelegt hast.