Was ist die PPL(A)?
Die Private Pilot Licence (Aeroplane) ist eine EASA-Lizenz nach Part-FCL. Sie erlaubt dir, einmotorige Kolbenflugzeuge (Single Engine Piston, SEP) im nichtkommerziellen Bereich als verantwortlicher Pilot (PIC) zu führen. Du darfst Passagiere mitnehmen, aber kein Geld dafür verlangen — Kostenteilung im engen EASA-Rahmen ist erlaubt.
Die Lizenz ist EU/EASA-weit gültig. Mit einer in der Schweiz ausgestellten PPL(A) fliegst du also auch in Deutschland, Frankreich oder Spanien legal. Ausserhalb der EASA (z.B. USA) brauchst du eine Validierung oder Umschreibung.
Zuständige Behörde in der Schweiz ist das BAZL (Bundesamt für Zivilluftfahrt) in Ittigen bei Bern.
Was darfst du mit einer PPL(A)?
- VFR-Flüge (Sichtflug) bei Tag mit SEP-Flugzeugen bis 5'700 kg MTOM
- Passagiere mitnehmen (nach 10 h Solo-Erfahrung als PIC nach Lizenzerteilung — Achtung: Recency-Regeln beachten)
- Flüge im In- und Ausland innerhalb der EASA
- Mit Zusatzberechtigungen: Nachtflug (NIGHT), Kunstflug (AERO), Gebirgslandeplätze (MOU), Schleppflug, Instrumentenflug (IR/EIR/BIR)
Nicht erlaubt: gewerblicher Transport, Passagier-Bezahlung über Kostenteilung hinaus, IFR ohne Instrumentenrating.
Wer kann die PPL(A) machen?
Die Voraussetzungen sind überschaubar:
- Mindestalter: 16 Jahre für den ersten Alleinflug, 17 Jahre für die Lizenzausstellung
- Medical Class 2: fliegerärztliches Tauglichkeitszeugnis, ausgestellt von einem vom BAZL anerkannten AME (Aeromedical Examiner)
- Sprachkenntnisse: Language Proficiency in Englisch oder Deutsch/Französisch/Italienisch, mindestens Level 4 ICAO
- Strafregister: sauberer Leumund (BAZL prüft im Rahmen der Lizenzausstellung)
- Schulgeld: realistisch CHF 18'000 – 25'000 für die komplette Ausbildung in der Schweiz
Eine bestimmte Schulbildung ist nicht vorgeschrieben. Solides Grundverständnis in Mathematik und Physik hilft aber bei der Theorie.
Der Weg von Null bis zum Schein
1. Schnupperflug und Medical
Bevor du Zeit und Geld investierst, mach einen Schnupperflug bei einer Flugschule. Passt das, hol dir das Medical Class 2 bei einem AME. Ohne gültiges Medical kein Solo-Flug. Die Liste der AMEs findest du auf der BAZL-Website.
2. Anmeldung bei einer ATO oder DTO
Du brauchst eine zugelassene Ausbildungsorganisation:
- ATO (Approved Training Organisation) — klassisch, oft an Regionalflugplätzen
- DTO (Declared Training Organisation) — schlanker, häufig bei Vereinen
Beide sind für PPL(A) zulässig. In der Schweiz gibt es Dutzende — von Birrfeld über Grenchen, Bern-Belp, Lausanne bis Locarno.
3. Theorieausbildung
Neun Fächer nach EASA:
- Air Law
- Human Performance
- Meteorology
- Communications
- Principles of Flight
- Operational Procedures
- Flight Performance and Planning
- Aircraft General Knowledge
- Navigation
Die Theorie kannst du im Präsenzunterricht, Fernkurs oder mit einer Lernplattform wie Aero.Academy machen. Mindeststundenzahl: gemäss ATO/DTO-Lehrplan, in der Praxis 100+ Stunden Selbststudium.
4. Theorieprüfung beim BAZL
Du legst die Prüfungen elektronisch beim BAZL ab (Standort Ittigen). Jedes Fach ist Multiple Choice, Bestehensgrenze 75 %. Pro Fach hast du maximal vier Versuche, alle neun Fächer musst du innerhalb von 18 Monaten ab dem ersten Versuch bestehen. Die komplette Theorie ist ab Bestehen 24 Monate gültig für die Skill-Test-Anmeldung.
5. Praktische Flugausbildung
Mindestens 45 Flugstunden total, davon:
- 25 h Dual (mit Fluglehrer)
- 10 h Solo, davon 5 h Solo-Überlandflug mit einem Überlandflug von ≥ 150 NM und Landungen an zwei fremden Flugplätzen
Realistisch brauchen die meisten Schüler 50–60 Stunden, bis sie reif für den Skill Test sind. Die Stunden sammelst du typischerweise auf einer Cessna 152/172, Piper PA-28 oder Diamond DA20/40.
6. Skill Test (praktische Prüfung)
Mit einem vom BAZL ernannten Prüfer (FE — Flight Examiner) absolvierst du den Check-Flug. Geprüft werden Flugplanung, Normal- und Notverfahren, Navigation, Landungen. Bei Erfolg stellst du den Antrag auf Lizenzausstellung beim BAZL.
7. Lizenz erhalten
Das BAZL stellt die PPL(A) mit eingetragenem SEP-Rating aus. Gebühren BAZL: rund CHF 200–400 für Lizenzausstellung, dazu Prüfungsgebühren pro Theoriefach. Die Lizenz selbst ist lebenslang gültig — das SEP-Rating musst du alle 24 Monate verlängern (12 h Flug, davon 6 h PIC, 1 h Trainingsflug mit FI, oder Proficiency Check).
Wie lange dauert das?
Kompakt mit Vollzeit-Engagement: 6–9 Monate. Berufsbegleitend, was die Regel ist: 1–2 Jahre. Limitierend sind Wetter (gerade im Winter), Verfügbarkeit von Lehrer und Flugzeug sowie dein Zeitbudget für die Theorie.
Was kostet die PPL(A) in der Schweiz?
Grobe Richtwerte 2024:
- Flugstunden Doppelsteuer: CHF 350–450/h
- Solo-Stunden: CHF 250–350/h
- Theoriekurs: CHF 500–2'500
- Medical Class 2: CHF 250–400 (Erstuntersuchung)
- BAZL-Prüfungsgebühren und Lizenz: ca. CHF 1'000 gesamt
- Skill Test: CHF 500–800
Total realistisch: CHF 20'000–25'000. Wer in einem Verein fliegt, kann deutlich günstiger wegkommen.
Nach der PPL — was kommt danach?
Die PPL ist der Einstieg, nicht das Ende. Sinnvolle nächste Schritte:
- Night Rating (mind. 5 h Nachtflug-Ausbildung)
- Mountain Rating (MOU) — in der Schweiz besonders relevant
- Instrument Rating (IR, EIR oder BIR) für Wetter-Unabhängigkeit
- Mehrmotoren-Rating (MEP)
- Auf dem Weg zum Beruf: CPL, ATPL
Für jeden dieser Schritte gilt: solide PPL-Grundlagen zahlen sich aus.