Wozu brauchst du das Medical Klasse 2?
Das medizinische Tauglichkeitszeugnis Klasse 2 (Medical Class 2) ist die gesetzliche Voraussetzung dafür, dass du als Privatpilot:in ein Flächenflugzeug führen darfst. Es ist in der EU-Verordnung (EU) Nr. 1178/2011 (Part-MED) geregelt und gilt EASA-weit – also auch in der Schweiz, wo das BAZL (Bundesamt für Zivilluftfahrt) die Aufsicht über die Aviation Medical Examiners (AME) führt.
Wichtig: Für den PPL(A) brauchst du Klasse 2. Für den LAPL würde ein LAPL-Medical reichen (etwas weniger streng), für Berufspiloten ist Klasse 1 nötig. Die Erstuntersuchung Klasse 2 musst du vor deinem ersten Alleinflug vorweisen – ohne Medical kein Solo, ohne Solo keine Lizenz.
Wo bekommst du das Medical?
Klasse-2-Untersuchungen darf nur ein vom BAZL zugelassener AME (Aviation Medical Examiner) durchführen. Die aktuelle Liste der AMEs in der Schweiz findest du auf der BAZL-Website unter «Fliegerärzte». Es gibt rund 80–100 zugelassene Ärzte verteilt über die ganze Schweiz, meist in der Nähe grösserer Flugplätze (Zürich, Genf, Bern, Basel, Lugano, St. Gallen).
Du vereinbarst direkt mit dem AME einen Termin. Plane mindestens 60–90 Minuten ein. Für die Erstuntersuchung musst du persönlich erscheinen; Folgeuntersuchungen können beim gleichen oder einem anderen AME stattfinden.
Was wird konkret geprüft?
Bei der Erstuntersuchung Klasse 2 prüft der AME ein recht breites Spektrum:
- Anamnese: ausführlicher Fragebogen zu Vorerkrankungen, Medikamenten, Operationen, Familiengeschichte, Alkohol-/Drogenkonsum
- Allgemeine körperliche Untersuchung: Grösse, Gewicht, Blutdruck, Herz, Lunge, Bauch, Reflexe, Bewegungsapparat
- Sehen: Visus (fern/nah/intermediate), Farbsehen (meist Ishihara-Tafeln), Gesichtsfeld, Augenstellung
- Hören: Flüstertest, bei Bedarf Audiogramm
- Urin: Schnelltest auf Zucker, Eiweiss, Blut
- EKG in Ruhe: bei der Erstuntersuchung Pflicht, danach altersabhängig
- Lungenfunktion: bei der Erstuntersuchung üblich
- Hb-Bestimmung: bei der Erstuntersuchung
Bei Auffälligkeiten kann der AME weitere Abklärungen verlangen (Belastungs-EKG, Augenarzt, ORL etc.) oder den Entscheid ans BAZL Aeromedical Section weiterleiten.
Kosten in der Schweiz
Die Preise sind nicht reguliert und variieren je nach AME und Region. Realistische Spannen 2024/2025:
- Erstuntersuchung Klasse 2: ca. CHF 350–550
- Folgeuntersuchung (Renewal/Revalidation): ca. CHF 200–350
- Zusatzleistungen (Audiogramm, Belastungs-EKG, Augenarzt-Bericht): separat, je CHF 80–250
Dazu kommt eine BAZL-Gebühr für die Ausstellung resp. Verlängerung des Zeugnisses (im AME-Preis meist nicht inbegriffen, prüfen!). Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht – es ist eine arbeitsmedizinische bzw. fliegerische Eignungsprüfung, keine Heilbehandlung.
Gültigkeit
Die Gültigkeit hängt von deinem Alter zum Zeitpunkt der Untersuchung ab:
- Unter 40 Jahre: 60 Monate (5 Jahre)
- 40 bis 49 Jahre: 24 Monate – Achtung: wenn du das Medical vor dem 40. erneuerst und es danach 5 Jahre läuft, endet es trotzdem spätestens am 42. Geburtstag (vereinfacht gesagt)
- Ab 50 Jahre: 12 Monate
Faustregel: Je älter, desto kürzer die Intervalle. Renewal-Untersuchungen sind in der Regel weniger umfangreich als die Erstuntersuchung, solange keine neuen Befunde dazukommen.
Was, wenn du eine Brille brauchst?
Eine Brille oder Kontaktlinsen sind kein Hindernis. Tausende PPL-Piloten fliegen mit Sehhilfe. Wichtig sind drei Punkte:
- Korrigierter Visus: Mit Brille/Linsen musst du auf beiden Augen 1.0 (fern) erreichen, nah 0.5 in 30–50 cm. Refraktionsgrenzen liegen aktuell bei ca. ±6 Dioptrien sphärisch (höhere Werte sind möglich, brauchen aber augenärztliche Abklärung).
- Eintrag im Medical: Du bekommst eine Auflage wie VDL («shall wear corrective lenses and carry a spare set of spectacles») – das heisst, du musst beim Fliegen die Brille tragen und eine Reservebrille mitführen.
- Farbsehen: Rot-Grün-Schwäche kann ein Problem sein. Wenn du beim Ishihara durchfällst, gibt es Sekundärtests (z. B. CAD-Test). Bestehst du auch die nicht, kommen Auflagen wie «day flying only».
Augenoperationen (LASIK, PRK) sind nach einer Wartezeit (meist 3 Monate ohne Komplikationen, stabile Refraktion) und mit augenärztlichem Bericht akzeptiert.
Ablauf konkret: dein Fahrplan
- AME aus der BAZL-Liste auswählen, Termin vereinbaren
- Vorher: BAZL-Online-Formular (eMED / Application Form) ausfüllen – der AME sagt dir, was er braucht
- Ausweis, Brille (falls vorhanden) und Vorbefunde mitbringen
- Bei Bedarf nüchtern erscheinen (manche AMEs verlangen es wegen Blutwerten – vorher fragen)
- Nach bestandener Untersuchung: Zeugnis wird in der Regel direkt ausgestellt oder innerhalb weniger Tage nachgereicht
Häufige Stolpersteine
- Bluthochdruck am Untersuchungstag: Aufregung treibt den Wert hoch. Komm ausgeschlafen, ohne Kaffee-Overdose.
- ADHS-Medikation, Antidepressiva: müssen offengelegt werden, sind nicht automatisch ein Ausschluss, brauchen aber meist eine Einzelfallprüfung durch BAZL.
- Nicht angegebene Vorerkrankungen: Falschangaben können das Medical nachträglich ungültig machen – ehrlich sein lohnt sich.
Wenn du Zweifel hast (chronische Erkrankung, frühere OP, Medikamente), buche zuerst eine kurze Vorberatung beim AME, bevor du die volle Untersuchung machst. Das spart Geld und Frust.