Was ist die PPL(A)?
Die PPL(A) – Private Pilot Licence (Aeroplane) – ist eine EASA-Lizenz, die dich berechtigt, einmotorige Flächenflugzeuge als verantwortlicher Pilot (PIC) im nicht-gewerblichen Flugbetrieb zu führen. Geregelt ist sie in der Verordnung (EU) Nr. 1178/2011, Anhang I (Part-FCL). In Deutschland stellt das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) die Lizenz aus.
Mit der PPL(A) darfst du:
- Flugzeuge in der Klasse SEP (Single Engine Piston) land oder TMG fliegen, sofern die entsprechende Klassenberechtigung eingetragen ist
- Passagiere mitnehmen
- Tagsüber nach Sichtflugregeln (VFR) fliegen
- Im europäischen Luftraum operieren, mit nationaler Lizenz auch ausserhalb (ICAO-anerkannt)
Was du nicht darfst: Geld verdienen mit der Fliegerei (Kostenteilung mit Passagieren ist unter engen Auflagen erlaubt), Nachtflug ohne NVFR-Rating, Instrumentenflug ohne IR/EIR/BIR, Flüge mit mehrmotorigen Maschinen ohne MEP-Rating.
Wer kann die PPL(A) machen?
Die Hürden sind überschaubar:
- Alter: Theorieprüfung ab 16, erster Alleinflug ab 16, Lizenzausstellung ab 17 Jahren
- Medizinisch: Tauglichkeitszeugnis Klasse 2 (LAPL-Medical reicht für die LAPL, nicht für die PPL). Untersuchung bei einem AME (Aero-Medical Examiner), Liste beim LBA
- Sprache: Language Proficiency Endorsement (LPE), mindestens Level 4 in Englisch oder Deutsch
- Zuverlässigkeit: Erweitertes Führungszeugnis bzw. Zuverlässigkeitsüberprüfung nach §7 LuftSiG
Vorkenntnisse in Mathematik oder Physik schaden nicht, sind aber keine formale Voraussetzung. Wer rechnen kann und Englisch versteht, kommt durch die Theorie.
Der Weg von Null bis zum Schein
1. Flugschule wählen
Eine PPL(A) machst du an einer von der EASA zugelassenen Ausbildungsorganisation – entweder einer DTO (Declared Training Organisation) oder einer ATO (Approved Training Organisation). Beide dürfen die PPL(A) ausbilden. Unterschied: DTOs sind schlanker organisiert und meist günstiger, ATOs decken zusätzlich CPL/ATPL ab.
Frag bei der ersten Kontaktaufnahme konkret nach: Stundensatz inkl. Lehrer, Flotte (Alter, Wartungszustand), durchschnittliche Ausbildungsdauer und Gesamtkosten realistisch eingeschätzt.
2. Tauglichkeit klären
Bevor du Geld in die Ausbildung steckst, mach das Medical Klasse 2. Wenn dich der AME aus medizinischen Gründen aussortiert, hast du nichts verloren. Kosten: etwa 150–250 Euro für die Erstuntersuchung.
3. Theorieausbildung
Neun Fächer nach Part-FCL:
- Luftrecht
- Allgemeine Luftfahrzeugkunde
- Flugleistung und Flugplanung
- Menschliches Leistungsvermögen
- Meteorologie
- Navigation
- Betriebliche Verfahren
- Grundlagen des Fluges
- Kommunikation (VFR)
Der theoretische Unterricht umfasst mindestens 100 Stunden. Viele Schulen kombinieren Präsenzphasen mit E-Learning. Plattformen wie Aero.Academy decken die Fragenkataloge des LBA ab und trainieren dich gezielt auf die Prüfung.
4. Praktische Ausbildung
Mindestens 45 Flugstunden, davon:
- 25 Stunden mit Fluglehrer (Dual)
- 10 Stunden Soloflug, davon mindestens 5 Stunden Solo-Überlandflug
- Ein Solo-Überlandflug von mindestens 270 km mit zwei Landungen an Flugplätzen, die nicht der Heimatflugplatz sind
Bis zu 5 Stunden können auf einem zugelassenen FSTD (Simulator) absolviert werden. In der Praxis brauchen viele Schüler 50–60 Stunden, weil das Wetter und die persönliche Lernkurve mitreden.
5. Theorieprüfung beim LBA
Die Theorieprüfung legst du beim LBA in Braunschweig oder an einem dezentralen Prüfungsort ab. Multiple-Choice, am Computer, alle neun Fächer einzeln. Bestehensgrenze: 75 % pro Fach. Du hast 18 Monate ab der ersten bestandenen Teilprüfung, um alle Fächer abzuschliessen, und danach 24 Monate Zeit für die praktische Prüfung.
Gebühren beim LBA: aktuell rund 100 Euro pro Prüfungssitzung, plus Lizenzgebühr bei Ausstellung.
6. Praktische Prüfung (Skill Test)
Der Skill Test wird mit einem Prüfer (FE – Flight Examiner) absolviert. Geprüft werden Flugvorbereitung, Navigation, Verfahren, Notverfahren, Platzrunden und allgemeine Flugführung. Dauer: rund zwei Stunden Flugzeit plus Briefing/Debriefing.
7. Lizenzantrag
Nach bestandener Prüfung reichst du den Antrag beim LBA ein – mit Prüfungsprotokoll, Medical, Sprachzeugnis, Flugbuchauszug und Zuverlässigkeitsbescheinigung. Bearbeitungszeit: erfahrungsgemäss mehrere Wochen.
Was kostet das Ganze?
Realistische Gesamtkosten in Deutschland 2024/2025: 10'000 bis 15'000 Euro. Zusammensetzung grob:
- Flugstunden (45–55 h à 200–280 €): 9'000–14'000 €
- Theorie/Lehrmaterial: 500–1'500 €
- Medical, Prüfungsgebühren, Lizenz: 500–800 €
- Headset, Karten, Zubehör: 300–600 €
Wer in einem Verein fliegt, kommt oft günstiger weg als an einer kommerziellen Schule – dafür dauert die Ausbildung meist länger.
Wie lange dauert die Ausbildung?
In Vollzeit (z. B. Intensivkurs im Ausland) sind 6–10 Wochen möglich. Berufsbegleitend, mit Wochenend- und Feierabendfliegen, rechne mit 12–24 Monaten. Der häufigste Killer ist nicht das Talent, sondern Wetter, Terminkalender und Kontostand.
Nach der PPL: Wie geht's weiter?
Die PPL(A) ist die Basis. Üblich sind danach:
- Night Rating (NVFR) – Nachtflug
- MEP – Mehrmotorige Kolbenflugzeuge
- IR(A)/BIR/EIR – Instrumentenflug
- Mountain Rating, Aerobatic Rating – je nach Interesse
- CPL/ATPL – wenn der Weg in die Berufsfliegerei führt
Zur Aufrechterhaltung der SEP-Klassenberechtigung brauchst du innerhalb der letzten 24 Monate vor Ablauf 12 Flugstunden, davon 6 als PIC, 12 Starts und Landungen und einen einstündigen Auffrischungsflug mit Lehrer.