Die gesetzliche Mindestdauer
Die rechtliche Grundlage für den PPL(A) ist die EU-Verordnung (Reg. (EU) Nr. 1178/2011, Part-FCL), die in der Schweiz vom BAZL übernommen wurde. Konkret gefordert sind:
- 45 Flugstunden Gesamtflugzeit auf Flächenflugzeugen, davon:
- mindestens 25 Stunden mit Fluglehrer (Dual)
- mindestens 10 Stunden Solo, davon 5 Stunden Solo-Überlandflug
- ein Solo-Überlandflug von mindestens 270 km (150 NM) mit zwei Vollstopp-Landungen auf zwei verschiedenen Flugplätzen
- mindestens 100 Stunden theoretischer Unterricht (in der Praxis meist im Selbststudium plus Präsenz- oder Online-Module)
- 9 Theorieprüfungen beim BAZL (Air Law, Human Performance, Meteorology, Communications, Principles of Flight, Operational Procedures, Flight Performance & Planning, Aircraft General Knowledge, Navigation)
- bestandener Skill Test mit einem BAZL-Examiner
Wenn Du bereits eine LAPL(A) hast, werden Stunden angerechnet. Theoretisch könntest Du die 45 Stunden in zwei bis drei Monaten abfliegen. Praktisch schafft das fast niemand.
Die realistische Dauer in der Schweiz
Plane mit 55 bis 70 Flugstunden statt der gesetzlichen 45. Das ist kein Versagen, sondern der Durchschnitt: Wetter, Lernkurve und Pausen zwischen den Lektionen verlängern den Weg. In Kalenderzeit bedeutet das:
- Vollzeit-Intensivkurs (selten in der Schweiz): 3 bis 6 Monate, oft mit Auslandblock (z.B. Spanien, USA) für die Wetterstabilität.
- Nebenberuflich, ambitioniert (2–3 Lektionen pro Woche): 9 bis 14 Monate.
- Nebenberuflich, normal (1 Lektion pro Woche): 18 bis 24 Monate.
- Locker, am Wochenende, wetterabhängig: 24 bis 36 Monate sind keine Ausnahme.
Das BAZL setzt keine maximale Ausbildungsdauer, aber die Theorieprüfungen müssen innerhalb von 18 Monaten nach der ersten bestandenen Prüfung alle abgeschlossen sein, und der Skill Test muss innerhalb von 24 Monaten nach der letzten Theorieprüfung erfolgen. Wer zu langsam ist, riskiert, Theorieprüfungen wiederholen zu müssen.
Vollzeit vs. nebenberuflich
Vollzeit
Vorteile: kurze Gesamtdauer, weniger Wiederholungslektionen, weil das Gelernte frisch bleibt, oft günstiger pro Stunde durch Paketpreise. Nachteile: schwer mit Job vereinbar, in der Schweiz wegen Wetter nur halbjahresweise sinnvoll, Auslandsblock erfordert Validierung der Theorie und ggf. zusätzliche Checks.
Nebenberuflich
Vorteile: parallel zu Arbeit oder Studium machbar, finanziell besser planbar, mehr Zeit, die Theorie zu verarbeiten. Nachteile: jede Pause kostet — wer drei Wochen nicht fliegt, braucht in der nächsten Lektion oft eine halbe Stunde, um wieder reinzukommen. Bei langen Winterpausen summiert sich das.
Wenn Du nebenberuflich machst, plane mindestens eine Lektion alle 10 bis 14 Tage ein. Weniger ist ineffizient.
Faktoren, die die Dauer wirklich beeinflussen
- Frequenz der Lektionen. Der grösste Hebel. Zwei Lektionen pro Woche bringen Dich überproportional schneller voran als eine.
- Wetter. Die Schweiz hat ca. 100 bis 140 brauchbare VFR-Schönwettertage pro Jahr, regional sehr unterschiedlich. Im Winter fallen viele Lektionen aus.
- Flugschule und Flottenverfügbarkeit. Eine Schule mit drei Flugzeugen und 30 Schülern hat lange Wartezeiten. Frage konkret nach Slot-Verfügbarkeit.
- Theoriedisziplin. Wer die 9 Fächer parallel zur Praxis lernt und früh prüft, vermeidet einen langen Theorieblock am Ende. Mit einer strukturierten Lernplattform wie Aero.Academy lassen sich die Fächer in 4 bis 8 Monaten neben dem Job durchziehen.
- Lernkurve und Vorerfahrung. Segelflug-, Modellflug- oder Simulator-Vorerfahrung spart real 5 bis 15 Flugstunden. Sprachprobleme im Funk (R/T auf Englisch oder Deutsch) verlängern.
- Budget. Wer pro Monat nur 1–2 Stunden bezahlen kann, fliegt entsprechend selten. Rechne mit CHF 18'000 bis 25'000 Gesamtkosten.
- Medical Class 2. Das Class-2-Medical musst Du vor dem ersten Solo haben. Wer hier wartet, blockiert sich selbst.
- Funksprechzeugnis (BZF/RTF). In der Schweiz separat zu erwerben (Sprechfunkzeugnis VFR), oft unterschätzt im Zeitplan.
Realistischer Beispiel-Zeitplan (nebenberuflich)
- Monat 1–2: Schnupperflug, Schulvertrag, Class-2-Medical, Theorie starten.
- Monat 2–8: Praxis-Lektionen Platzrunden und Übungsraum, parallel Theoriemodule, erste Theorieprüfungen ablegen.
- Monat 8–10: Erster Solo (nach typisch 15–25 Stunden Dual), Solo-Festigung.
- Monat 10–14: Navigation, Überlandflüge, Solo-Überland.
- Monat 14–16: Letzte Theorieprüfungen, Skill-Test-Vorbereitung.
- Monat 16–18: Skill Test mit BAZL-Examiner, Lizenzausstellung.
Was Du beschleunigen kannst — und was nicht
Beschleunigen lässt sich vor allem die Theorie und die Lektionsfrequenz. Das Wetter, die Verfügbarkeit der Examiner und die BAZL-Bearbeitungszeiten (typisch 2 bis 6 Wochen für die Lizenzausstellung nach bestandenem Skill Test) sind fix. Plane also nicht zu eng — wer den Skill Test am letzten möglichen Tag der 24-Monats-Frist ansetzt, hat keinen Puffer für Wetterabsagen.