Wofür du das Medical Klasse 2 brauchst
Für die PPL(A) — die Privatpilotenlizenz für Flächenflugzeuge — schreibt die EASA (Verordnung (EU) Nr. 1178/2011, Part-MED) das Medical Class 2 vor. Für die LAPL reicht ein leichteres LAPL-Medical, aber wenn du PPL anstrebst, hol dir gleich Klasse 2. Ohne dieses Zeugnis bekommst du keinen Erstflug-Schüler-Status für Soloflüge und keine Zulassung zur praktischen Prüfung.
Wichtig: Das Medical ist lizenz-unabhängig in dem Sinn, dass es vor der ersten Soloflugfreigabe vorliegen muss. Den theoretischen Unterricht und die Theorieprüfung kannst du auch ohne Medical starten — aber spätestens vor dem ersten Alleinflug brauchst du es.
Wo bekommst du das Medical?
Ausgestellt wird das Klasse-2-Zeugnis ausschliesslich von einem AME (Aero-Medical Examiner) — einem vom LBA (Luftfahrt-Bundesamt) anerkannten Fliegerarzt. Eine offizielle Liste findest du auf der Website des LBA unter „Medizinisches Personal / AME-Liste". Hausärzte oder normale Betriebsärzte dürfen kein EASA-Medical ausstellen.
Tipps zur Auswahl:
- AME in deiner Nähe spart Anfahrt — viele Untersuchungen dauern mit Wartezeit 1,5 bis 2,5 Stunden.
- Bei Vorerkrankungen (Herz, Augen, Diabetes, Psyche) such einen erfahrenen AME, der Erfahrung mit der Einstufung hat. Manche AMEs sind zusätzlich AeMC (Aero-Medical Centre) — die dürfen auch komplexere Fälle direkt entscheiden.
- Termin früh buchen: 2–6 Wochen Wartezeit ist normal.
Was wird untersucht?
Die Erstuntersuchung (Initial Class 2) ist umfangreicher als die Folgeuntersuchungen. Du solltest etwa zwei Stunden einplanen. Geprüft werden unter anderem:
- Anamnese: Du füllst einen mehrseitigen Fragebogen zu Vorerkrankungen, Medikamenten, Operationen, Familiengeschichte aus. Ehrlich bleiben — Falschangaben sind ein Strafbestand und führen zum Lizenzentzug.
- Allgemeine körperliche Untersuchung: Grösse, Gewicht, Blutdruck, Puls, Abhören von Herz und Lunge, Reflexe, Bauchuntersuchung.
- Sehtest: Fernvisus, Nahvisus, Zwischendistanz (Cockpitabstand), Farbsehen (meist Ishihara-Tafeln), Augenstellung, Gesichtsfeld grob.
- Hörtest: Flüstersprache oder Audiometrie. Bei Class 2 nicht ganz so streng wie Class 1.
- Urinprobe: Zucker, Eiweiss, Blut.
- EKG: Bei der Erstuntersuchung Pflicht, danach altersabhängig (ab 40 alle 2 Jahre, ab 50 jährlich).
- Lungenfunktion / Spirometrie: Nicht immer bei Class 2, aber teils Routine beim Erstcheck.
Eine Blutuntersuchung ist beim Class 2 in der Regel nicht Pflicht (anders als bei Class 1).
Was kostet das?
Die Gebühren sind in Deutschland nicht einheitlich geregelt; jeder AME rechnet nach eigener Tarifordnung (GOÄ-orientiert). Realistische Spannen:
- Erstuntersuchung Class 2: 150–250 €
- Folgeuntersuchung Class 2: 80–150 €
- Zusatzleistungen (Audiometrie, Lungenfunktion, ergänzende Atteste): 20–80 € extra
Die Krankenkasse zahlt nichts — das Medical ist eine IGeL-Leistung. Bring Bargeld oder EC-Karte mit, viele Praxen rechnen direkt vor Ort ab.
Gültigkeit
Die Gültigkeit hängt vom Alter ab (Part-MED.A.045):
- Unter 40 Jahre: 60 Monate (5 Jahre)
- 40 bis 50 Jahre: 24 Monate (Erneuerung jährlich nach EKG-Schema)
- Über 50 Jahre: 12 Monate
Beachte: Wenn du während eines 5-Jahres-Zeitraums 40 wirst, läuft das Medical nur noch bis zum 42. Geburtstag — die Gültigkeit verkürzt sich automatisch. Verlängerung kannst du bis zu 45 Tage vor Ablauf machen, ohne dass die Restlaufzeit verfällt.
Brille, Kontaktlinsen, Sehschwäche
Eine der häufigsten Sorgen — meist unbegründet. Mit Sehhilfe fliegen ist problemlos möglich, solange du mit Korrektur die geforderten Visus-Werte erreichst:
- Fernvisus: 0,7 pro Auge, 1,0 binokular (mit Korrektur)
- Nahvisus: N5 auf 30–50 cm, N14 auf 100 cm
Du bekommst dann einen Eintrag (Limitation) ins Medical:
- VDL („shall wear corrective lenses"): Brille/Kontaktlinsen tragen ist Pflicht beim Fliegen.
- VNL („shall have available spare set"): Ersatzbrille muss im Cockpit liegen.
Auch nach einer LASIK/PRK-OP ist Klasse 2 möglich, in der Regel drei Monate nach Eingriff bei stabilen Werten und unauffälligem augenärztlichem Bericht.
Farbsehschwäche: Wenn du Ishihara nicht bestehst, gibt es Folgetests (Anomaloskop, Lantern Test). Im schlimmsten Fall bekommst du die Auflage „nicht bei Nacht und nicht mit Funkverkehr per Lichtsignal" — fliegen kannst du trotzdem.
Was, wenn etwas auffällt?
Findet der AME etwas, gibt es drei Möglichkeiten:
- Direkt fit: Du bekommst das Zeugnis sofort mit, oft als Druck aus dem EASA-Medical-Portal.
- Vertagung: Bei unklaren Befunden (z. B. Bluthochdruck, EKG-Auffälligkeit) holst du Zusatzbefunde nach und reichst sie nach.
- Weiterleitung ans LBA: Bei komplexen Fällen entscheidet das LBA über Tauglichkeit, ggf. mit Auflagen (OML — „nur mit qualifiziertem Co-Piloten", für PPL meist nicht relevant).
Wichtig: Auch wenn etwas Chronisches vorliegt (Asthma, gut eingestellter Bluthochdruck, ADHS-Vorgeschichte), heisst das nicht automatisch „untauglich". Sprich vorher mit einem AME — eine Voranfrage kostet wenig und erspart böse Überraschungen.
Was du zum Termin mitbringst
- Personalausweis oder Reisepass
- Brille und/oder Kontaktlinsen (falls getragen)
- Liste aktueller Medikamente
- Befunde zu Vorerkrankungen oder Operationen
- Ggf. altes Medical-Zertifikat (bei Folgeuntersuchung)
- Bargeld/Karte für die Gebühr