Wann bist du bereit für den Skill Test?
Bevor dich dein Fluglehrer zum Skill Test anmeldet, müssen die Voraussetzungen gemäss Part-FCL (FCL.235) erfüllt sein:
- Mindestens 45 Flugstunden auf Helikopter, davon mindestens 25 mit Lehrer und 10 Solo (inkl. 5 h Solo-Navigation mit einem Überlandflug von ≥ 185 km / 100 NM mit Landungen an zwei anderen Plätzen).
- Alle theoretischen Prüfungen beim BAZL bestanden (gültig 24 Monate ab Bestehen der letzten Theorieprüfung).
- Gültiges Class 2 Medical, gültiges Sprachzeugnis (Language Proficiency, mindestens Level 4).
- Empfehlung deines Fluglehrers (Recommendation Letter) — ohne die nimmt dich kein FE(H) ab.
Die Anmeldung erfolgt über die Flugschule beim BAZL bzw. direkt beim akkreditierten Examiner. Die BAZL-Gebühr für die Lizenzausstellung nach bestandenem Test liegt aktuell bei rund CHF 110–150 (zzgl. Examiner-Honorar und Helikopter-Stunden, die du selbst trägst).
Aufbau des Skill Tests
Der Skill Test besteht aus zwei Teilen: Briefing/Flugvorbereitung am Boden und Flug. Insgesamt rechnest du mit einem halben bis ganzen Tag.
1. Bodenbriefing
Der Examiner prüft:
- Flugvorbereitung: Wetter (METAR, TAF, GAFOR, SIGMET), NOTAM, Massenberechnung (Weight & Balance), Performance (HIGE/HOGE, Power Check), Treibstoffberechnung.
- Navigation: Route auf VFR-Karte (ICAO 1:500'000), Tracks, Distanzen, Zeiten, MEF, Funkfrequenzen, Lufträume.
- Dokumente: Helikopter-Papiere (CofA, ARC, Versicherung, Funkbewilligung), deine persönlichen Dokumente.
- Fragen zum Muster: Limitations, Systeme, Notverfahren aus dem Flight Manual.
Hier fallen erfahrungsgemäss die meisten Kandidaten nicht durch, aber Unsicherheit beim Briefing setzt den Ton für den Flug.
2. Praktischer Flug
Der Flug ist in Sections gegliedert (gemäss Appendix 4 zu Part-FCL):
- Section 1: Flugvorbereitung, Pre-flight, Start-up.
- Section 2: Flugplatzverkehr und Pattern (Take-off, Approach, Landing, Funk).
- Section 3: Navigationsflug — typischerweise der erste Teil deiner geplanten Route, inkl. Diversion zu einem alternativen Platz und Lost-Procedure.
- Section 4: Flugverfahren und Manöver — Steilkurven, langsame Geschwindigkeiten, Quick Stop, Sideways/Backwards Hover, Spot Turns.
- Section 5: Abnormal & Emergency Procedures — Autorotation (straight-in und mit 180°), Engine Failure im Hover, Hydraulik-Ausfall (sofern Muster relevant), Settling with Power, Stuck Pedals, Vortex Ring State (Recovery), Confined Area, Sloping Ground.
- Section 6: Spezielle Operationen — z. B. Aussenlandung auf nicht vorbereitetem Gelände (in der Schweiz wichtig: Gebirge wird im normalen PPL(H) Skill Test nicht geprüft, das gehört zur Gebirgsausbildung).
Der Examiner darf Sections kombinieren, um Zeit zu sparen. Rechne mit 1.5 bis 2 Flugstunden, oft auf zwei Sektoren verteilt (z. B. ein Navigationsflug und ein separater Übungsflug auf einem Trainingsplatz).
Bewertung: Was der Prüfer sehen will
Jede Section wird mit Pass / Fail bewertet. Der FE(H) achtet auf:
- Toleranzen: Höhe ± 100 ft, Heading ± 10°, Speed ± 10 kt, Ankunftszeit ± 3 min bei Navigation.
- Airmanship: Lookout, Workload-Management, Entscheidungen, Kommunikation.
- Sicherheit: Du darfst Fehler machen — aber du musst sie erkennen und korrigieren. Ein nicht erkannter sicherheitsrelevanter Fehler ist ein Fail.
- Pilot-in-Command-Verhalten: Du fliegst, du entscheidest. Der Examiner ist Passagier, nicht Co-Pilot.
Vorbereitung — was wirklich hilft
- Chair Flying: Gehe Manöver im Kopf durch, inkl. Callouts und Checklisten. Spart Helikopter-Stunden.
- Mock Check: Lass dich von einem anderen Lehrer (nicht deinem Haupt-FI) einen kompletten Skill Test fliegen. Andere Perspektive deckt blinde Flecken auf.
- Flight Manual auswendig: Limitations, Memory Items für Notverfahren, V-Speeds — solche Fragen muss man nicht überlegen.
- Wetterminimum kennen: VFR-Minima in der Schweiz nach VVR (Schweizer Verkehrsregeln für die Luftfahrt) und SERA. Der Examiner fragt das gern beim Briefing.
- Route zwei Mal vorher fliegen: Wenn möglich, die typische Skill-Test-Route mit dem Lehrer abfliegen, damit du die Topographie kennst.
- Ausgeruht antreten: Müde fliegt sich der Test nicht gut. Plane den Tag davor ohne anstrengendes Programm.
Was, wenn du nicht bestehst?
Das ist kein Drama, kommt regelmässig vor. Drei Szenarien (FCL.025 / FCL.235):
- Fail in einer Section: Du darfst die betroffene Section in einem Partial Retest wiederholen. Andere bestandene Sections behältst du.
- Fail in zwei oder mehr Sections: Du musst den gesamten Skill Test wiederholen.
- Fail im Partial Retest: Ebenfalls kompletter Retest.
Vor jeder Wiederholung brauchst du in der Regel zusätzliche Schulung mit dem Fluglehrer und eine neue Empfehlung. Bestehst du nach zwei Versuchen immer noch nicht alle Sections, verlangt das BAZL weitere Schulung, bevor du erneut antreten darfst. Eine fixe Maximalanzahl an Versuchen gibt es nicht — aber jede Wiederholung kostet Zeit und Geld.
Die Theorie-Gültigkeit (24 Monate) und das Medical müssen beim erneuten Antritt nach wie vor gültig sein. Das ist der häufigste Stolperstein bei längeren Pausen.
Nach dem bestandenen Test
Der Examiner trägt den bestandenen Skill Test ins Flight Test Report ein und sendet die Unterlagen ans BAZL. Mit dem Protokoll und deinem Antrag stellt das BAZL die PPL(H) aus — typische Bearbeitungszeit 2–6 Wochen. Fliegen darfst du in der Schweiz erst, wenn die Lizenz physisch ausgestellt ist; eine vorläufige Bestätigung gibt das BAZL nicht standardmässig aus.