Was ist der Skill Test?
Der Skill Test ist die praktische Prüfung am Ende deiner PPL(A)-Ausbildung, geregelt in FCL.235 und AMC1 FCL.235. Er besteht aus einem mündlichen Teil (Oral) und einem Prüfungsflug mit einem Flight Examiner (FE), der vom BAZL autorisiert ist. Ziel: Du zeigst, dass du ein Flugzeug sicher und nach Standards führst — alleine verantwortlich als PIC.
Voraussetzungen vor dem Skill Test:
- Alle 9 Theorieprüfungen bestanden (gültig 24 Monate)
- Mindestens 45 Flugstunden geflogen (davon 25 Dual, 10 Solo inkl. 5 Solo-Cross-Country)
- Empfehlung deines Head of Training (HT) bzw. Fluglehrers
- Gültiges Medical Class 2
- FRTOL (Sprechfunkzeugnis), wenn du in Englisch oder Deutsch funken willst
Ablauf des Prüfungstages
1. Briefing & Oral (ca. 1-2 Stunden)
Der FE beginnt mit Dokumenten-Check: Logbuch, Medical, Theorienachweis, Flugschulnachweis. Danach folgt der mündliche Teil:
- Flugvorbereitung: Wetter (METAR, TAF, GAFOR, SIGMET), NOTAMs, Routenplanung, Mass & Balance, Performance (TODR/LDR), Treibstoffberechnung
- Technik: Systeme deines Musters (Motor, Elektrik, Avionik, Notausrüstung)
- Recht: Lufträume Schweiz, VFR-Minima, Flugplan, Eintrittsverfahren
- Notverfahren: Was tust du bei Engine Failure, Feuer, Funkausfall?
Tipp: Bring deine Unterlagen sauber vor — POH, Flight Manual, JeppView/SkyDemon, Navlog. Ein chaotisches Briefing setzt den Ton für den Flug.
2. Der Prüfungsflug (ca. 1.5-2.5 Stunden)
Du fliegst die Mission als PIC. Der FE ist Passagier, nicht Co-Pilot. Er greift nur ein, wenn Sicherheit gefährdet ist.
Die Sections im Detail
Der Skill Test ist in Sections 1-5 gegliedert (Section 6 nur für SEP-Land mit Wasser/komplexer). Du musst jede Section bestehen — fällst du in einer durch, kannst du eventuell nur diese nachholen.
Section 1: Pre-Flight Operations & Departure
- Mass & Balance, Performance-Berechnung
- Pre-Flight Inspection
- Engine Start, Taxi, Run-up
- Take-off (Normal, Short Field, Soft Field nach FE-Wahl)
- Climb-out, Departure-Verfahren
Section 2: General Airwork
- Steilkurven (45° Bank, links/rechts)
- Stalls: Clean Stall, Stall in Landing Configuration, evtl. Approach-to-Landing Stall
- Recovery from Unusual Attitudes (Nose-High, Nose-Low) — manchmal mit Foggles (Sichtbeschränkung)
- Basic Instrument Flying (mind. 5 Minuten unter Foggles): Geradeausflug, Kurven, Steig-/Sinkflug
Section 3: En-Route Procedures
- Flug nach Navlog auf vorbereiteter Route
- Position Reports, Funk mit FIS/Tower
- Diversion: Der FE sagt "Wetter schlecht, divert nach XY" — du musst Heading, Distanz, Zeit, Fuel neu berechnen in der Luft
- Lost Procedure (orientierungslos — wie findest du dich wieder?)
Section 4: Approach & Landing Procedures
- VFR-Einflug an einen Platz (auch unbekannt möglich)
- Volte/Platzrunde
- Verschiedene Landings: Normal, Short Field, Flapless, Glide Approach (Engine-Idle)
- Go-Around aus verschiedenen Phasen
Section 5: Abnormal & Emergency Procedures
- Engine Failure after Take-off (EFATO) — wird oft simuliert kurz nach Start
- Engine Failure in Cruise → Forced Landing auf Feld
- Feuer, Elektrik-Ausfall, Funkausfall
- Precautionary Landing
Bewertungskriterien
Der FE bewertet nach klaren Toleranzen (AMC1 FCL.235):
- Höhe: ±150 ft normal, ±100 ft beim Anflug
- Heading: ±10°
- Speed: ±10 kt
- Steilkurven: Höhe ±100 ft, Bank ±5°
Wichtiger als reine Zahlen ist aber dein Airmanship: Lookout, Checklisten-Disziplin, Entscheidungen, Kommunikation. Ein FE drückt bei knappen Toleranzen ein Auge zu, wenn du sauber denkst und kommunizierst. Bei lausigem Lookout oder verschluckten Checks wird er kritischer.
So bereitest du dich vor
4-6 Wochen vorher:
- Mock-Check mit deinem Fluglehrer (komplette Mission, voller Ablauf)
- Theorie auffrischen — vor allem Recht, Performance, Meteo
- POH deines Musters auswendig kennen (V-Speeds, Limits, Notverfahren)
1-2 Wochen vorher:
- Manöver gezielt üben: Forced Landing, Stalls, Steilkurven
- Navigation mit Diversion trainieren — auf Karte, in der Luft
- Funk-Phrasen sicher beherrschen
Tag vorher:
- Wetter & NOTAMs anschauen
- Unterlagen sortieren
- Früh ins Bett. Müde fliegt sich's mies.
Am Prüfungstag:
- Rechtzeitig da sein, ruhig essen
- Wenn du einen Fehler machst: ansprechen, korrigieren, weitermachen. Nicht verstecken.
Wenn du durchfällst
Kein Drama, kommt vor. Drei Szenarien:
- Partial Pass: Du hast die meisten Sections bestanden, fällst nur in einer durch. Du musst nur die fehlende Section nachholen — innert 6 Monaten, sonst kompletter Re-Test.
- Fail: Mehrere Sections nicht bestanden. Kompletter Re-Test nötig nach zusätzlichem Training.
- Fail wegen Sicherheitsverstoss: Der FE bricht ab. Schwer, aber überlebbar — mit deinem FI aufarbeiten, was schiefging.
Nach einem Fail empfiehlt das BAZL/deine Flugschule meist ein paar zusätzliche Trainingsstunden, dokumentiert im Logbuch, bevor du erneut antrittst. Es gibt keine fixe Sperrfrist, aber drei Fehlversuche in Folge führen zu zusätzlicher Schulung mit dokumentierter Empfehlung.
Kosten (Richtwerte Schweiz)
- FE-Honorar: CHF 400-700 für den Skill Test
- Flugzeug-Charter: je nach Muster CHF 250-400/Stunde × ca. 2.5 Stunden
- BAZL-Lizenzausstellung nach bestandenem Test: ca. CHF 200-300
Total realistisch: CHF 1'500-2'000 für den Prüfungstag inkl. Lizenzantrag.