Warum neun Fächer?
Die EASA gibt für alle PPL-Lizenzen — egal ob Flächenflugzeug, Helikopter oder Ballon — denselben Fächer-Kanon vor. Für Dich als Heli-Anwärter heisst das: Die Themenliste ist gleich wie für den PPL(A), aber die Inhalte sind teilweise stark helikopterspezifisch. Besonders in Principles of Flight, Aircraft General Knowledge und Performance unterscheiden sich die Fragen deutlich von der Flugzeug-Variante.
Die Prüfung beim LBA legst Du in der Regel an einem zugelassenen Prüfungszentrum als Multiple-Choice-Test ab. Bestehensgrenze pro Fach: 75 %. Du hast 18 Monate ab dem ersten Prüfungsversuch, um alle Fächer abzuschliessen, und maximal vier Versuche pro Fach.
Die neun Fächer im Detail
1. Air Law (Luftrecht)
Hier geht es um den rechtlichen Rahmen: ICAO-Annexe, EASA-Verordnungen (insbesondere Part-FCL, Part-NCO, SERA), nationale Vorgaben des LBA, Luftraumstruktur, Lichtsignale, VFR-Mindestbedingungen, Vorflugkontrolle der Dokumente. Auch Themen wie Lizenzgültigkeit, Medical-Anforderungen und Verhalten bei Luftnotlagen gehören dazu.
Typische Fragen: Welche Sichtweiten gelten in Luftraum E unter FL100? Wann brauchst Du eine Flugverkehrskontrollfreigabe?
2. Aircraft General Knowledge (AGK)
Die technische Basis Deines Helikopters. Für PPL(H) bedeutet das: Rotorsysteme (vollgelenkig, halbstarr, starr), Heckrotor bzw. NOTAR/Fenestron, Triebwerk (Kolben oder Turbine), Getriebe, Autorotation aus Systemsicht, Hydraulik, Elektrik, Instrumente (inkl. Kreiselinstrumente und ihre Fehler).
Helikopterspezifisch sind vor allem Themen wie Mast Bumping, Ground Resonance und Dynamic Rollover — sie tauchen sowohl in AGK als auch in Principles of Flight auf.
3. Flight Performance & Planning
Massen- und Schwerpunktberechnung, Leistungsdiagramme (Hover IGE/OGE, Steigleistung, Höhen- und Temperatureinflüsse), Treibstoffplanung, Flugvorbereitung. Beim Heli ist die Hover-Performance der zentrale Punkt: Density Altitude, HOGE-Ceiling und die Auswirkungen von Wind sind prüfungsrelevant.
Du wirst typischerweise mit echten Performance-Charts arbeiten — die Aufgaben sind rechnerisch, nicht nur theoretisch.
4. Human Performance & Limitations
Physiologie und Psychologie des Fliegens: Hypoxie, Hyperventilation, Trapped Gas, räumliche Desorientierung, Vestibularsystem, Sehen bei Nacht, Lärm und Vibration (relevant für Helikopter), G-Belastungen, Müdigkeit, Stress, Entscheidungsfindung, Crew Resource Management (auf Single-Pilot-Niveau).
Kein Auswendiglernen reicht — Du musst Mechanismen verstehen, weil viele Fragen Szenarien beschreiben.
5. Meteorology (Met)
Atmosphäre, Druck, Wind, Wolkenbildung, Niederschlag, Vereisung, Gewitter, Nebel, Frontensysteme, Bergwetter, Wetterkarten lesen, METAR und TAF dekodieren. Für Heli-Piloten besonders relevant: lokale Windsysteme, Turbulenz in Lee von Hindernissen, Whiteout/Brownout, Vereisungsgefahr (weil Du oft tief fliegst).
6. Navigation (Nav)
Kartenkunde (ICAO-Karten 1:500.000), Koppelnavigation, Kompass und Kompassdrehfehler, Zeit-Berechnungen, Funknavigation (VOR, DME, ADF — auch wenn ADF im Aussterben ist), GNSS-Grundlagen, Erdmagnetismus, Projektionen. Praktisch musst Du mit Navigationsrechner (Whiz Wheel) oder elektronischem Pendant umgehen können.
7. Operational Procedures (Op Procedures)
Standardverfahren und Sonderfälle: ICAO-Verfahren, Lärmschutz, Treibstoff- und Sauerstoffsysteme im Einsatz, Notverfahren, Wirbelschleppen (auch von anderen Helis!), Search and Rescue, Übergabe an SAR, Hubschrauberspezifika wie Aussenlast-Operationen werden gestreift (Detailtiefe für PPL begrenzt).
8. Principles of Flight (PoF)
Für PPL(H) ein zentrales und oft unterschätztes Fach. Inhalte: Aerodynamik des Rotorblatts, Auftriebsverteilung, dissymmetry of lift, flapping, lead/lag, coning, translational lift, settling with power (Vortex Ring State), Retreating Blade Stall, Autorotation aus aerodynamischer Sicht, Drehmomentausgleich.
Hier liegt der grösste inhaltliche Unterschied zum PPL(A). Plane genug Zeit ein.
9. Communications (Comms)
VFR-Sprechfunk: Phraseologie auf Deutsch und Englisch, Frequenzwechsel, Standardmeldungen, Notverfahren (MAYDAY, PAN-PAN), Transponder-Codes, Funkausfall. Hinweis: Der praktische Sprechfunk (BZF/AZF) ist eine separate Prüfung beim LBA — die Theorie hier deckt die EASA-Grundlagen ab, ersetzt aber kein Sprechfunkzeugnis.
Wie Du am besten vorgehst
- Reihenfolge: Viele beginnen mit Air Law und Comms, weil sie schnell konsumierbar sind. Schwere Brocken (PoF, AGK, Performance) brauchen Wochen.
- Lerngruppen bilden: Met und Nav lernen sich besser mit Diskussion und echten Karten/Wetterprodukten.
- Fragenkataloge: Übe mit aktuellen EASA-Question-Bank-basierten Tools. Aero.Academy adaptiert die Schwierigkeit an Deine Schwachstellen.
- Theorie und Praxis koppeln: Sobald Du anfängst, praktisch zu fliegen, verankern sich PoF und Performance viel schneller.
Prüfungsformat beim LBA
- Multiple Choice, meist 3–4 Antwortoptionen
- Fragenzahl je Fach: zwischen 12 (Comms) und 32 (Met)
- Gesamtdauer der neun Fächer: rund 9 Stunden, aufteilbar auf mehrere Sitzungen
- Bestehensgrenze: 75 % pro Fach
- Gültigkeit der bestandenen Theorie: 24 Monate für die praktische Prüfung
Konkrete Prüfungsgebühren variieren je Prüfungsstelle — rechne mit etwa 15–25 € pro Fach. Aktuelle Sätze findest Du direkt beim LBA oder bei Deiner ATO.