Warum neun Fächer?
Die EASA hat den Theorieteil des PPL(A) gemäss Part-FCL in neun Sachgebiete gegliedert. Jedes Fach wird in Österreich bei der Austro Control einzeln geprüft (Multiple-Choice, meist 12–24 Fragen je Fach, 75 % Bestehensgrenze pro Fach). Du hast 18 Monate ab der ersten bestandenen Prüfung Zeit, alle neun Fächer abzuschliessen, und nach Bestehen der letzten Theorieprüfung 24 Monate Zeit für den Skill Test.
Im Folgenden findest Du, was in jedem Fach drin ist – ohne Geschwafel.
1. Air Law (Luftrecht)
Hier geht es um den rechtlichen Rahmen: ICAO-Annexe, EU-Verordnungen (Part-FCL, Part-MED, SERA), nationale Regelungen der Austro Control, Luftraumstruktur (Class A–G), Lichtsignale, Vorflugregeln, VFR-Mindestbedingungen, Flugplanung formal, Pilotenlizenzen und Medical-Anforderungen.
Typische Stolperstellen: Sichtflugminima in den verschiedenen Luftraumklassen, Mitnahmepflicht von Dokumenten, Lichtsignale vom Tower.
2. Aircraft General Knowledge (AGK)
Die Technik des Flugzeugs. Inhalt:
- Zelle und Systeme (Tragwerk, Steuerflächen, Fahrwerk)
- Triebwerk (meist Kolbenmotor, Vergaser vs. Einspritzung, Magnetzündung)
- Propeller (Fixed Pitch, Constant Speed)
- Elektrik, Hydraulik, Pneumatik
- Instrumente: Pitot-Statik-System, Kreiselinstrumente, magnetischer Kompass
- Notausrüstung
Du solltest verstehen, warum der Motor warm laufen muss, was Vergaservereisung verursacht und wie ein künstlicher Horizont funktioniert.
3. Flight Performance and Planning (Performance)
Zwei Teile: Performance (Start- und Landestrecken, Steigleistung, Wirkung von Höhe, Temperatur, Wind, Masse) und Mass and Balance (Schwerpunktberechnung mit Lade- und Trim-Diagrammen).
Praxis: Du rechnest Start- und Landerollstrecken mit POH-Diagrammen, prüfst, ob der Schwerpunkt im Envelope liegt, und planst Treibstoffbedarf inklusive Reserven (mindestens 30 Min. VFR Tag).
4. Human Performance and Limitations
Der Mensch als Systemkomponente. Themen:
- Atmungs- und Kreislaufsystem, Hypoxie, Hyperventilation
- Vestibularsystem, räumliche Desorientierung, visuelle Täuschungen
- Hörsystem, Lärmschutz
- Stress, Fatigue, Workload, Aufmerksamkeit
- Entscheidungsfindung, Threat and Error Management
- Wirkung von Alkohol, Medikamenten, Tauchgängen vor Flügen
Wenig Mathematik, viel Verständnis. Wird oft unterschätzt.
5. Meteorology (Met)
Das umfangreichste Fach für viele. Inhalt:
- Atmosphäre, Standardatmosphäre, Druck und Höhenmessung (QNH, QFE, QNE)
- Wind: Druckgradient, Coriolis, Reibung, lokale Winde (Föhn ist in Österreich relevant)
- Wolkenbildung, Niederschlag, Vereisung
- Luftmassen, Fronten, Gewitter, Turbulenz
- Sicht, Nebel
- Wettermeldungen lesen: METAR, TAF, SIGMET, GAFOR
- Wetterkarten interpretieren
Für Österreich besonders relevant: Bergwetter, Lee-Effekte, Talnebel.
6. Navigation (Nav)
Klassisch geteilt in:
- Allgemeine Navigation: Erde, Karten (ICAO 1:500 000), Magnetismus, Variation und Deviation, Kurs/Steuerkurs/Track, Wind-Dreieck, Zeit-Geschwindigkeits-Distanz-Rechnung mit dem Navigationsrechner (CRP-1, E6B).
- Funknavigation: VOR, NDB, DME, ILS-Grundlagen, GNSS (GPS).
In der Prüfung musst Du Flugplanungsaufgaben rechnen: Steuerkurse, Bodengeschwindigkeit, Treibstoff, ETA. Üben, üben, üben.
7. Operational Procedures (Op Procedures)
Verfahren im täglichen Betrieb:
- ICAO-Doc-9432-Verfahren
- Lärmschutz, Tank- und Betankungsverfahren
- Wake Turbulence (Wirbelschleppen) und Trennminima
- Notverfahren: Feuer, Triebwerksausfall, Notlandung, Forced Landing
- Special Operations: Mountain Flying, Verfahren über Wasser
- Suchen und Retten (SAR), ELT
- Unfalluntersuchung Grundlagen
8. Principles of Flight (Aerodynamik)
Die Physik des Fliegens:
- Strömungslehre, Bernoulli, Auftrieb, Widerstand
- Polare, Gleitzahl, beste Steiggeschwindigkeit (Vy) vs. bester Steigwinkel (Vx)
- Stall: Ursachen, Anzeichen, Recovery, Stall in Kurven
- Stabilität (Längs-, Quer-, Richtungsstabilität)
- Steuerung, Trimmung, sekundäre Steuerwirkungen
- Lastvielfache, Manöverdiagramm (Vne, Va, Vno)
- Propellertheorie, Drehmomenteffekte
9. Communications (Comms)
Funksprechverkehr im VFR:
- ICAO-Alphabet, Zahlenaussprache
- Standardphraseologie (englisch und deutsch)
- Frequenzwechsel, Read-back-Pflicht
- Position Reports, Anflug- und Abflugmeldungen
- Notfall- und Dringlichkeitsverfahren (MAYDAY, PAN PAN)
- Transponder-Codes (7500, 7600, 7700)
Achtung: Für englischsprachigen Funk brauchst Du zusätzlich das Language Proficiency Endorsement (mindestens Level 4 ICAO).
Wie Du die Fächer angehst
Drei pragmatische Hinweise:
- Reihenfolge: Air Law und Human Performance lassen sich früh erledigen, weil sie wenig Vorwissen brauchen. Navigation und Performance erst, wenn Du die ersten Solo-Navigations-Übungen geflogen bist – dann macht der Stoff Sinn.
- Verknüpfung mit Praxis: Met und Op Procedures werden im Cockpit verständlich. Lies das Briefing nicht nur als Buchstoff.
- Fragenkatalog vs. Verständnis: Die ECQB-Fragen (European Central Question Bank) sind die Basis. Auswendiglernen reicht für die Prüfung, aber nicht fürs Fliegen. Investier Zeit ins Verstehen.
Wenn Du in Österreich prüfst: Anmeldung über die Austro Control, Prüfungen finden in Wien statt. Die Gebühren liegen je Fach im niedrigen zweistelligen Euro-Bereich (Stand 2024, aktuelle Sätze direkt bei Austro Control prüfen).