Die neun Fächer auf einen Blick
Die EASA Part-FCL definiert für den PPL(H) folgende neun Theoriefächer, die du beim BAZL als Multiple-Choice-Prüfung ablegst:
- Air Law (Luftrecht)
- Aircraft General Knowledge (AGK)
- Flight Performance and Planning
- Human Performance and Limitations
- Meteorology
- Navigation
- Operational Procedures
- Principles of Flight – Helicopter
- Communications (VFR)
Jedes Fach wird separat geprüft. Du musst pro Fach mindestens 75 % erreichen. Hast du einmal bestanden, gilt das Resultat 24 Monate; in diesem Zeitraum musst du den praktischen Skill Test absolvieren.
1. Air Law
Hier geht es um den rechtlichen Rahmen, in dem du fliegst: ICAO-Annexes (insbesondere Annex 2 Rules of the Air), EASA Part-FCL für Lizenzen, Part-MED für medizinische Tauglichkeit, SERA (Standardised European Rules of the Air), Luftraumstruktur, ATS-Dienste, Such- und Rettungsdienst, Unfall-Meldung. Für die Schweiz kommen BAZL-spezifische Themen dazu – etwa die VFR-Mindestflughöhen über besiedeltem Gebiet und die nationalen Regeln zu Aussenlandungen mit dem Helikopter (Aussenlandeverordnung).
2. Aircraft General Knowledge (AGK)
AGK deckt die Technik deines Helikopters ab:
- Airframe & Systems: Rotorkopf-Typen (vollgelenkig, halbstarr, gelenklos), Heckrotor bzw. Fenestron/NOTAR, Hydraulik, Steuerung über Taumelscheibe.
- Powerplant: Kolbenmotor (z. B. Lycoming O-360 im R22/R44) und Turbinen-Grundlagen.
- Elektrik, Instrumente, Avionik: Pitot-Statik-System, Kreiselinstrumente, Magnetkompass-Fehler.
- Masse und Schwerpunkt: zulässige CG-Range, Beladungsdiagramme.
Helikopter-spezifisch sind besonders Themen wie Mast Bumping, Low-G-Verhalten und Autorotations-Mechanik auf Systemebene.
3. Flight Performance and Planning
Du rechnest hier konkret:
- Hover-Performance IGE/OGE (in/out of ground effect)
- HOGE- und HIGE-Limits in Abhängigkeit von Druckhöhe und Temperatur
- Höhen-Wind-Diagramme (Height-Velocity-Diagramm, "Dead Man's Curve")
- Treibstoffplanung inkl. Reserve (mindestens 20 Minuten Final Reserve für VFR)
- Masse- und Schwerpunktberechnung
Erwarte Rechenaufgaben mit den Performance-Charts aus dem POH typischer Schulungshelikopter.
4. Human Performance and Limitations
Physiologie und Psychologie des Fliegens: Atmung, Hypoxie, Hyperventilation, Druckausgleich, Vestibularsystem und räumliche Desorientierung, visuelle Illusionen (besonders relevant beim Helikopter-Landeanflug), Stress, Fatigue, Entscheidungsfindung (DECIDE, IMSAFE). Auch CRM-Grundlagen und der Umgang mit Medikamenten und Alkohol gehören dazu.
5. Meteorology
Eines der umfangreichsten Fächer:
- Atmosphärischer Aufbau, Standardatmosphäre (ISA)
- Druck, Temperatur, Feuchte, Wind
- Wolkenarten, Niederschlag, Vereisung
- Fronten und Drucksysteme
- Gebirgswetter – für die Schweiz zentral: Föhn, Bise, Hangwinde, Rotoren, Lee-Effekte
- Wettermeldungen lesen: METAR, TAF, SIGMET, GAFOR, GAMET
Helikopter sind besonders empfindlich auf Turbulenzen in Bodennähe und auf Whiteout/Brownout – Themen, die du verstehen musst.
6. Navigation
VFR-Navigation mit Karte, Kompass und Uhr:
- ICAO-Karte 1:500'000 (Schweiz)
- Magnetismus, Missweisung, Deviation
- Koppelnavigation, Driftwinkel-Berechnung
- Zeit-Distanz-Treibstoff-Rechnung
- GNSS-Grundlagen, RNAV-Konzepte auf VFR-Niveau
- Erdkugel-Geometrie: Grosskreis, Loxodrome
Der Navigationscomputer (CRP-1 / E6B) wird in der Prüfung vorausgesetzt.
7. Operational Procedures
Verfahren im operationellen Alltag:
- Wake Turbulence (auch zwischen Heli und Flächenflugzeug)
- Lärmminderungs-Verfahren
- Verhalten bei Notfällen: Triebwerksausfall, Hydraulikausfall, Tail-Rotor-Failure, Settling with Power, LTE (Loss of Tail-Rotor Effectiveness)
- Aussenlandungen, Gebirgsflug-Verfahren
- Gefahrgut-Transport-Grundlagen
In der Schweiz ist der Gebirgseinsatz (HEMS, Lasten) prägend – einige Verfahren werden hier konkreter behandelt als anderswo.
8. Principles of Flight – Helicopter
Das Herzstück für Helikopter-Anwärter:
- Aerodynamik des Rotors: Auftriebsverteilung, Translationslift, Dissymmetry of Lift
- Blade Flapping, Coning, Lead-Lag
- Autorotation: Energiebilanz, Rotor-RPM-Management
- Vortex Ring State (Settling with Power)
- Ground Resonance und Dynamic Rollover
- Drehmomenteffekt und Kompensation durch Heckrotor
Dieses Fach ist der wichtigste Unterschied zur Flächen-Theorie und wird entsprechend detailliert geprüft.
9. Communications (VFR)
Funk-Theorie und Sprechfunkverfahren auf Englisch (bzw. der Landessprache, wo zulässig):
- Standard-Phraseologie nach ICAO Doc 4444 und SERA
- Aufbau eines Funkspruchs, Q-Codes (QNH, QFE, QDM)
- Notverfahren: Mayday, Pan-Pan, Transponder-Codes 7500/7600/7700
- Light-Signale vom Tower
Die FCL-Sprachprüfung (Language Proficiency) ist separat und nicht Teil dieser Theorieprüfung.
Prüfungsformat beim BAZL
Du legst die Prüfungen elektronisch beim BAZL ab. Pro Fach gilt:
- Multiple Choice, drei oder vier Antwortoptionen
- Bestehensgrenze 75 %
- Maximal vier Versuche pro Fach, alle neun Fächer innerhalb von 18 Monaten ab dem ersten Versuch
- Gültigkeit der bestandenen Prüfungen: 24 Monate für den Skill Test
Die genauen Gebühren und Anmeldemodalitäten findest du aktuell auf der BAZL-Website – die Sätze ändern sich gelegentlich, daher keine konkrete Zahl an dieser Stelle.
Strategie für die Vorbereitung
Sinnvolle Reihenfolge: Beginne mit Air Law und Communications – das sind die "Lese-Fächer" mit klaren Regeln. Danach Principles of Flight und AGK, weil sie die Grundlage für Performance bilden. Meteorology und Navigation am Schluss, weil sie laufende Übung verlangen. Operational Procedures und Human Performance kannst du flexibel einschieben.
Plane mindestens 100 Stunden Selbststudium ein, eher mehr, wenn du berufsbegleitend lernst.