Warum neun Fächer?
Die EASA hat den Theorie-Lehrplan für die PPL(A) in neun Fächer aufgeteilt (Part-FCL, AMC1 FCL.115/.120). Jedes Fach prüft das BAZL einzeln als Multiple-Choice-Prüfung. Du musst pro Fach mindestens 75 % erreichen. Innerhalb von 18 Monaten ab dem ersten Versuch müssen alle Fächer bestanden sein, danach verfällt der Fortschritt.
Hier kommt, was in den einzelnen Fächern drinsteckt.
1. Air Law (Luftrecht)
Das regulatorische Fundament. Du lernst:
- ICAO-Annexe (vor allem 2, 7, 8, 11, 14) und ihre Umsetzung in EU-Recht
- EU-Verordnungen: Part-FCL (Lizenzen), Part-MED (Medical), SERA (Standardised European Rules of the Air)
- Lufträume A–G, Klassifizierung in der Schweiz, VFR-Minima
- Sichtflugregeln, Mindestflughöhen, Halbkreisflughöhen
- Schweizer Spezifika über das BAZL: VFR Manual Schweiz, nationale NOTAMs, Gebührenrahmen
Trockenes Fach, aber prüfungsrelevant und im Cockpit täglich präsent.
2. Aircraft General Knowledge (AGK)
Wie das Flugzeug technisch funktioniert:
- Zelle und Steuerung: Tragflächen, Leitwerk, Querruder, Höhenruder, Seitenruder, Trimmung
- Triebwerk: 4-Takt-Otto-Prinzip, Vergaser vs. Einspritzung, Magnetzündung, Vergaservereisung
- Propeller: Festpropeller, Verstellpropeller, kritische Drehzahl
- Systeme: Elektrik (Generator, Batterie, Bus), Kraftstoff, Hydraulik, Pitot-Statik-System
- Instrumente: Fahrtmesser (IAS, CAS, TAS), Höhenmesser, Variometer, Kreiselinstrumente
3. Flight Performance and Planning (Performance)
Hier geht es um Zahlen und Massen:
- Masse und Schwerpunkt (Weight & Balance): Schwerpunktberechnung, zulässige Bereiche
- Start- und Landestrecken: Einfluss von Dichtehöhe, Wind, Pistenbelag, Slope
- Steigflug, Reiseflug, Sinkflug: Treibstoffverbrauch, Geschwindigkeiten
- Flugplanung: Route, Treibstoffreserven (mindestens 30 Min. final reserve nach SERA für VFR Tag), ATC-Flugplan
- Mass & Balance Sheets anhand des konkreten Musters (z. B. C172, DA40)
Praktisch das wichtigste Fach für sicheres Fliegen ausserhalb des Schönwetter-Standardflugs.
4. Human Performance and Limitations
Pilot als Risikofaktor:
- Physiologie: Hypoxie ab ca. 10'000 ft, Hyperventilation, Trapped Gases, Ohrendruck
- Sinnestäuschungen: somatogravische Illusionen, Black Hole Effect, Leans
- Psychologie: Stress, Fatigue, Workload-Management, Situational Awareness
- Entscheidungsfindung: DECIDE-, FORDEC-Modell
- IMSAFE-Checkliste vor jedem Flug
5. Meteorology (Met)
Wetter verstehen und interpretieren:
- Atmosphäre: Aufbau, ISA, Temperatur- und Druckverlauf
- Wind: Coriolis, geostrophischer Wind, Bodenwind, Turbulenz
- Wolken und Niederschlag: Wolkengattungen, Vereisung, Gewitter, Hagel
- Luftmassen und Fronten: Warm-, Kalt-, Okklusionsfronten
- Gebirgswetter: Föhn, Lee-Wellen, Rotoren — in der Schweiz prüfungsrelevant
- Wetterdokumente: METAR, TAF, GAFOR, SIGMET, GAMET dekodieren
6. Navigation (Nav)
Vom Punkt A nach B:
- Erdkugel und Karten: Lambert-Projektion (ICAO-Karte 1:500'000), Kurse, Distanzen
- Kompass: Variation, Deviation, Drehfehler, Beschleunigungsfehler
- Koppelnavigation (Dead Reckoning): Heading, Track, Groundspeed, ETA
- Flugfunk-Navigation: VOR, DME, ADF/NDB, GNSS-Grundlagen
- Flugvorbereitung: Navigation Log, alternate planning
Rechnen mit dem CRP-5/E6B gehört dazu — auch in der Prüfung erlaubt.
7. Operational Procedures (Op Procedures)
Betriebliche Verfahren und Sondersituationen:
- Notverfahren: Triebwerksausfall, Brand an Bord, Druckverlust (sofern Druckkabine)
- Wake Turbulence: Kategorien, Separationsminima
- Vereisung, Windscherung, Vulkanasche
- SAR: Suchmuster, Notsignale, ELT (121.5 / 406 MHz)
- Vorfeld- und Pistensicherheit, Lärmschutzverfahren (in der Schweiz relevant)
8. Principles of Flight (Aerodynamik)
Warum das Flugzeug fliegt:
- Aerodynamische Kräfte: Auftrieb, Widerstand, Schub, Gewicht
- Profile und Polarendiagramm, Anstellwinkel, kritischer Anstellwinkel
- Strömungsabriss (Stall) und Trudeln (Spin)
- Stabilität: längs, quer, gier — statisch und dynamisch
- Lastvielfache und Manöver: V-n-Diagramm, Va, Vno, Vne
- Einfluss von Klappen, Schlitzen, Slats
9. Communications (Comms / VFR Funk)
Sprechfunk im VFR:
- ICAO-Phraseologie englisch (in der Schweiz oft auch deutsch)
- Standardmeldungen: Position, Verkehrsinformationen, Flugplanaktivierung
- Notverfahren: Mayday, Pan-Pan, Squawk 7700 / 7600 / 7500
- Funkausfall-Verfahren
- Frequenzen: Schweizer Spezifika wie REGA-Notfrequenz, FIS Switzerland
Comms wird oft mit dem BZF/AZF-Funksprechzeugnis verknüpft, das in der Schweiz separat über das BAKOM läuft — nicht zu verwechseln mit der EASA-Theorieprüfung.
Wie umfangreich ist das Ganze?
Die AMC1 FCL.210.A empfiehlt mindestens 100 Stunden Theorieunterricht für die PPL(A). In der Praxis liegt der Selbststudienanteil deutlich höher. Die Prüfungen beim BAZL kannst du in mehreren Sessions ablegen, üblicherweise gebündelt. Aktuelle Gebühren und Anmeldeprozesse findest du direkt beim BAZL.
Reihenfolge zum Lernen
Eine bewährte Lernreihenfolge:
- Principles of Flight + AGK (technisches Fundament)
- Met + Nav (gehören thematisch zusammen für die Flugvorbereitung)
- Performance + Op Procedures
- Air Law + Comms
- Human Performance (kann zwischendurch laufen)
Wichtig: Die Fächer überschneiden sich. Wer Met versteht, tut sich in Op Procedures leichter. Wer AGK kann, profitiert in Performance.