Ursache der Wirbelschleppe
Wirbelschleppen entstehen als direkte Folge der Auftriebserzeugung. Sobald ein Tragflügel oder Rotorblatt Auftrieb produziert, herrscht auf der Oberseite tieferer und auf der Unterseite höherer Druck. An den Flügel- bzw. Blattspitzen versucht die Luft, diesen Druckunterschied auszugleichen, und strömt von unten nach oben um die Spitze herum. Dadurch entstehen zwei gegenläufig rotierende Randwirbel, die als Wirbelschleppe hinter dem Luftfahrzeug zurückbleiben. Beim Helikopter erzeugt jedes Rotorblatt seinen eigenen Wirbel; im Schwebeflug kommt zusätzlich der starke Downwash hinzu. Ohne Auftrieb keine Wirbelschleppe – ein Luftfahrzeug ohne Auftriebserzeugung (z. B. im Sinkflug ohne Lastfaktor) produziert deutlich schwächere Wirbel.
Massgebliche Einflussgrössen
Die Intensität einer Wirbelschleppe hängt von mehreren Parametern ab. Entscheidend sind:
- Gewicht des erzeugenden Luftfahrzeugs: Je schwerer, desto stärker der Wirbel.
- Geschwindigkeit: Langsam fliegende Flugzeuge erzeugen stärkere Wirbel (mehr Anstellwinkel nötig).
- Konfiguration: «Clean» (Klappen eingefahren) erzeugt konzentriertere, stärkere Wirbel als «dirty».
- Spannweite/Rotordurchmesser: Beeinflusst die laterale Ausdehnung.
- Wind und Turbulenz: Schwacher Wind lässt Wirbel lange am Boden persistieren; turbulente Luft löst sie schneller auf.
Als Faustregel sinken Wirbel mit etwa 300–500 ft/min ab und können bis zu 3 Minuten in ruhiger Luft bestehen bleiben. Im Schweizer Alpenraum kann Hangwind die Wirbel unvorhersehbar verlagern – ein Aspekt, der bei Heliports in engen Tälern beachtet werden muss.
Massnahmen beim Kreuzen, Start und Landung
Beim Kreuzen von Verkehr fliegst du grundsätzlich über der Flugbahn des vorausfliegenden Luftfahrzeugs und auf der Luvseite, da Wirbel absinken und mit dem Wind driften. Halte ausreichenden vertikalen Abstand.
Beim Start hinter einem schweren Luftfahrzeug: Warte die ICAO-Staffelung ab (typischerweise 2–3 Minuten) und starte so, dass du vor dem Rotationspunkt des Vorgängers abhebst und über dessen Flugbahn steigst. Vermeide es, in dessen Steigflugkorridor einzudrehen.
Bei der Landung hinter schwerem Verkehr: Bleibe oberhalb der Anflugbahn des Vorgängers und setze nach dessen Aufsetzpunkt auf. Bei Querwind kann der Luvwirbel länger auf der Piste verbleiben – besondere Vorsicht.
Für Helikopter besteht zusätzlich die Möglichkeit, seitlich versetzt auf Grasflächen oder Helipads zu operieren, was die Exposition reduziert.
In der BAZL-Prüfung wird dieses Thema regelmässig mit Multiple-Choice-Fragen zu Verhaltensregeln, Wirbelverhalten bei Wind und Klassifizierung der erzeugenden Luftfahrzeuge abgefragt. Das Verständnis der physikalischen Ursache hilft dir, die richtigen Antworten auch bei umformulierten Fragen sicher zu identifizieren.