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Topic 070.07

Not- und Ausweichlandungen

Not- und Ausweichlandungen gehören zu den Szenarien, die jeder Helikopterpilot beherrschen muss, auch wenn er sie hoffentlich nie braucht. Anders als beim Flächenflugzeug hast du im Heli oft die Option, fast überall hinunterzukommen – das macht die Entscheidung, *wann* du eine Landung ausserhalb eines Flugplatzes durchführst, manchmal sogar anspruchsvoller als das *Wie*. In der Schweiz mit ihrem alpinen Terrain, dichter Besiedlung im Mittelland und schnell wechselnden Wetterlagen (Föhn, Bisennebel, Quellbewölkung) ist die Fähigkeit, eine Ausweichlandung sauber zu planen und eine Notlandung sauber durchzuführen, besonders relevant. Im Topic 070.07 verlangt die EASA, dass du den Unterschied zwischen einer Emergency Landing und einer Precautionary Landing kennst, die typischen Ursachen, die korrekte Passagierinformation, den Ablauf einer Evakuierung sowie die Massnahmen nach der Landung. Das BAZL prüft diese Inhalte als Teil der Operational Procedures und erwartet, dass du als PIC die richtigen Prioritäten setzt: Aviate – Navigate – Communicate, und vor allem: Sicherheit der Insassen vor Erhalt des Helikopters.

5 Sub-Topics, eingebettet in Operational Procedures. Lerne sie systematisch mit FSRS-Karten und einem KI-Tutor zum Nachfragen.

Definition: Notlandung vs. Ausweichlandung

Eine Notlandung (Emergency Landing) ist eine sofortige Landung, weil ein Weiterflug nicht mehr möglich oder unsicher wäre – typisch nach Triebwerksausfall, Brand oder schwerem Systemausfall. Du landest dort, wo es geht, nicht wo du willst. Eine Ausweichlandung (Precautionary Landing) ist dagegen eine geplante, vorsorgliche Landung, weil sich ein Problem abzeichnet: nachlassende Sichten, sinkende Kraftstoffreserve, leichte technische Auffälligkeit, gesundheitliches Problem an Bord. Du wählst aktiv einen geeigneten Platz, fliegst eine kontrollierte Recce und landest normal. Im Helikopter ist die Ausweichlandung ein mächtiges Werkzeug – nutze sie früh, statt dich in eine Notlage hineinzufliegen. Im alpinen Raum gilt das doppelt: lieber im Tal warten, als bei aufziehendem Föhn ins Hochgebirge.

Ursachen

Die Ursachen für eine Not- oder Ausweichlandung sind vielfältig. Technisch: Triebwerksausfall (Autorotation), Getriebe- oder Heckrotor-Probleme, Hydraulikausfall, elektrische Defekte, Vibrationen, Rauch oder Feuer, Treibstoffsystem. Meteorologisch: unvorhergesehene Wetterverschlechterung, IMC-Einflug, starke Turbulenz, Vereisung, Gewitter. Menschlich/Medizinisch: Pilot Incapacitation, Erkrankung eines Passagiers, Erschöpfung. Operationell: Treibstoff knapper als geplant, Navigationsverlust, einbrechende Dunkelheit. In der Schweiz sind wetterbedingte Ausweichlandungen besonders häufig – die rasche Bildung von Quellwolken über Alpenpässen oder Föhnmauern kann VFR-Flüge in Minuten unmöglich machen. Erkenne die Ursache richtig, denn sie bestimmt die Dringlichkeit: ein Feuer verträgt keine Sekunde Zögern, eine sinkende Vis erlaubt eine geordnete Platzwahl.

Passagierinformation

Die Passagiere müssen rechtzeitig, ruhig und klar gebrieft werden. Bei der Ausweichlandung hast du Zeit: erkläre kurz, was du tust und warum, was sie tun sollen (Gurte fest, Gegenstände sichern, Brace-Position falls nötig, Türen nach der Landung nicht selbst öffnen). Bei der Notlandung ist die Information kurz und befehlend: «Brace! Brace! Brace!» oder ein vorher gebrieftes Kommando. Das ursprüngliche Passenger-Briefing vor dem Flug zahlt sich hier aus – wer schon weiss, wo der Notausgang ist, wo das ELT/PLB liegt und wie der Gurt geöffnet wird, reagiert in der Stresssituation richtig. Sprich laut, deutlich, in einer Sprache, die alle verstehen. Panik ist der grösste Feind einer geordneten Evakuierung.

Evakuierung

Nach dem Aufsetzen gilt: Rotor stoppen, bevor jemand aussteigt. Auslaufende Hauptrotorblätter, vor allem im Coning bei unebenem Boden, sind tödlich. Erst wenn der Rotor steht (oder bei Feuer/Kentern: so schnell wie möglich, geduckt, weg vom Heckrotor), Passagiere zum Ausstieg auffordern. Sammelpunkt vor dem Helikopter im Sichtfeld des Piloten, in sicherer Distanz, niemals bergauf bei Hanglage (Rotor!). Bei Wasserlandung: Türen sofort öffnen oder abwerfen, bevor der Heli kentert, Schwimmwesten erst ausserhalb der Kabine aufblasen. Bei Feuer: schnellstmöglich raus, gegen den Wind weg. Zähle die Passagiere am Sammelpunkt – jemand vergessen ist im Stress real.

Massnahmen nach der Landung

Nach erfolgter Landung und Evakuierung: Helikopter sichern – Treibstoffhahn zu, Batterie aus, Magnete aus, um Brandgefahr zu reduzieren. Verletzte versorgen und Erste Hilfe leisten. Alarmierung: in der Schweiz REGA (1414) oder Notruf 112, bei kontrolliertem Flug zusätzlich ATC informieren, ELT prüfen (manuell aktivieren falls nötig). Position bestimmen und durchgeben (Koordinaten, markante Punkte). Standort halten – wegzulaufen ist fast immer schlechter, als bei der gut sichtbaren Maschine zu bleiben. Den Unfall/Vorfall melden an BAZL/SUST gemäss Meldepflicht, Sachverhalt dokumentieren, Zeugen notieren. Den Helikopter erst nach Freigabe durch die Untersuchungsbehörde bewegen.

Prüfungsrelevanz

Das BAZL prüft in 070.07 sowohl Definitionen (Abgrenzung Emergency vs. Precautionary) als auch die richtige Handlungsreihenfolge nach der Landung. Typische Fallen: Reihenfolge Evakuierung – Rotor – Treibstoff, Sammelpunkt-Position, Alarmierungskette. Wer die Logik «Menschen zuerst, dann Maschine, dann Meldung» verinnerlicht hat, beantwortet die meisten Fragen korrekt.

Beispielkarten

Karten aus diesem Topic, wie sie in der App aussehen.

Nenne typische Umstände, die eine Notlandung erforderlich machen.

Triebwerksausfall, strukturelle Schäden, Brand an Bord, Treibstoffmangel, Ausfall kritischer Systeme (z.B. Hydraulik, Elektrik) sowie medizinische Notfälle.

Allen diesen Umständen ist gemeinsam, dass der Weiterflug nicht mehr sicher fortgesetzt werden kann. Der Pilot muss erkennen, dass Landen die sicherste verbleibende Option ist.

Was ist eine Notlandung (emergency landing)?

Eine Notlandung ist eine Landung, bei der der Weiterflug unmöglich oder nicht mehr vertretbar ist. Der Pilot muss sofort landen — wenn nötig auch ausserhalb eines Flugplatzes — wobei die Sicherheit der Insassen Vorrang vor dem Erhalt des Luftfahrzeugs hat.

Das Definitionsmerkmal ist der Zwang zur sofortigen Landung. Im Gegensatz zur Sicherheitslandung (precautionary landing) bleibt hier keine Zeit mehr für längere Planung oder die Suche nach einem optimalen Platz.

Was hat bei einer Notlandung Priorität: der Schutz der Insassen oder der Erhalt des Luftfahrzeugs?

Der Schutz der Insassen und unbeteiligter Dritter hat absolute Priorität. Schäden am Luftfahrzeug werden in Kauf genommen, wenn dadurch eine sichere Landung möglich wird.

Diese Prioritätenreihenfolge bestimmt alle Entscheidungen bei der Notlandung — von der Wahl des Geländes bis zur Anflugtechnik (z.B. langsam in Hindernisse statt schnell ins offene Gelände).

Fragen, die du beantworten können solltest

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