Triebwerksausfall und Autorotation
Bei Triebwerksausfall ist die Autorotation das einzige Verfahren, das den Helikopter sicher zu Boden bringt. Entscheidend ist die sofortige Reaktion: Kollektiv senken, um die Rotordrehzahl im grünen Bereich zu halten, Anstellwinkel und Trim für die Best-Glide-/Min-Rate-of-Descent-Speed einstellen und einen geeigneten Landeplatz wählen. Die genauen Geschwindigkeiten (V_y_Auto, NR-Bereich) findest du im RFM deines Musters. In den Alpen ist die Wahl des Notlandefeldes besonders kritisch – über bewaldetem Steilgelände bleibt oft nur die Talseite. Das Höhen-Geschwindigkeits-Diagramm (Dead Man's Curve) zeigt dir, welche Kombinationen aus Höhe und Speed eine sichere Autorotation überhaupt erlauben.
Brand in Kabine, Cockpit oder Triebwerk
Bei Feuer gilt: Schadensbegrenzung und schnellstmögliche Landung. Triebwerksbrand erfordert in der Regel Treibstoffabsperrung, gegebenenfalls Mixture/Throttle gemäss Checkliste und Autorotationslandung. Bei Kabinenbrand spielen Belüftung, Feuerlöscher und Rauchentwicklung eine Rolle – Sichtverlust im Cockpit kann das Verfahren dominieren. Elektrische Brände werden durch Master-Off behandelt. Die exakte Reihenfolge variiert zwischen Mustern stark; lerne die Memory Items deines RFM auswendig.
Heckrotor- oder Richtungssteuerungsausfall
Unterschieden wird zwischen Verlust der Heckrotorwirkung (Tail Rotor Effectiveness, LTE), Pedalausfall (Control Failure) und vollständigem Antriebsausfall des Heckrotors. Je nach Fall ist eine Run-on-Landung mit Fahrt (zur Nutzung der Seitenflosse) oder eine Autorotation das Mittel der Wahl. Symmetrisches Drehmoment durch Reduktion des Kollektivs verringert den unkontrollierten Gierimpuls.
Bodenresonanz
Bodenresonanz tritt bei Helikoptern mit gelenkigem Rotorkopf am Boden auf, wenn Schwingungen der Blätter in der Drehebene mit der Eigenfrequenz des Fahrwerks koppeln. Es entsteht ein aufschaukelnder Querausschlag, der innert Sekunden zur Zerstörung führt. Verfahren: sofort abheben (wenn NR genügend) oder Rotor schnellstmöglich anhalten. Ursachen sind oft ungleicher Reifendruck, defekte Dämpfer oder harte Bodenkontakte.
Blattstall (Retreating Blade Stall)
Beim rücklaufenden Blatt nimmt der Anstellwinkel mit steigender Vorwärtsgeschwindigkeit zu, bis er die kritische Grenze überschreitet. Symptome: Vibrationen, Nase-hoch-Tendenz, Rollen zur Seite des rücklaufenden Blattes. Gegenmassnahme: Geschwindigkeit reduzieren, Kollektiv senken, NR erhöhen, weniger G ziehen.
Wirbelringstatus (Settling with Power)
Vortex Ring entsteht bei niedriger Fahrt (typisch unter ca. 30 kt), hoher Sinkrate (über ca. 300 ft/min) und gleichzeitig gezogenem Kollektiv – der Rotor saugt seinen eigenen Abwind wieder an. Erholung: Nase nach unten, Fahrt aufnehmen, Kollektiv reduzieren (oder Vuichard-Recovery). Klassischer Fall im Gebirge: zu steiler Anflug auf einen Gebirgslandeplatz mit Rückenwindkomponente.
Übersteuerung (Overpitch)
Overpitch heisst: du ziehst mehr Kollektiv als das Triebwerk Leistung liefern kann – die Rotordrehzahl sackt ab. Besonders gefährlich bei hoher Density-Altitude in den Alpen. Reaktion: Kollektiv sofort senken, NR aufbauen, dann erst nachsteuern.
Überdrehzahl Rotor oder Triebwerk
Rotor-Overspeed entsteht bei plötzlichem Wegfall der Last (z. B. Autorotationseinleitung mit zu wenig Kollektivabsenkung steuerseitig invers), Triebwerks-Overspeed bei Governor-Defekt. Folgen sind strukturelle Schäden bis Blatttrennung. Verfahren gemäss RFM – meist Kollektiv anpassen, ggf. Throttle manuell zurücknehmen.
Dynamisches Umkippen (Dynamic Rollover)
Beim Dynamic Rollover dreht der Helikopter um eine Kufe als Drehpunkt, oft beim Abheben mit angefrorener oder eingehakter Kufe. Über dem kritischen Rollwinkel (musterabhängig) kann zyklisches Gegensteuern nicht mehr zurückführen. Gegenmassnahme: Kollektiv sofort und entschlossen senken.
Mastschlagen (Mast Bumping)
Mast Bumping betrifft zweiblättrige Halbgelenkrotoren (z. B. Robinson, Bell). Bei Low-G-Manövern verliert der Rotor Schub, der Rumpf rollt durch Heckrotorschub nach rechts, der Pilot korrigiert reflexartig – die Rotornabe schlägt am Mast an, Folge meist katastrophal. Vermeidung: keine Push-Overs, keine Low-G-Zustände, sanftes Steuern.
Prüfungsrelevanz
In der BAZL-Prüfung werden Auslöser, Symptome und Recovery-Schritte aller zehn Notfälle abgefragt – oft mit Fokus auf die Unterscheidung ähnlicher Zustände (Vortex Ring vs. Overpitch vs. Blade Stall).