Schwebeflug ausserhalb des Bodeneffekts (OGE)
Im OGE-Hover steht der Helikopter im freien Abwind seines eigenen Rotors. Jedes Blattelement sieht eine Umfangsgeschwindigkeit, die linear vom Rotorkopf zur Blattspitze zunimmt, überlagert von der induzierten Abwärtsströmung durch die Rotorscheibe. Daraus ergibt sich der relative Anströmwinkel, und erst aus Pitch minus induziertem Winkel resultiert der effektive Anstellwinkel (AoA). Du musst verstehen: Kollektiv-Erhöhung steigert den Pitch, aber der induzierte Flow steigt mit, weshalb der AoA weniger zunimmt als naiv erwartet. Gleichgewicht herrscht, wenn Rotor Thrust = Weight + Fuselage Downwash Drag. Mit sinkender Luftdichte (Höhe, Temperatur) steigt der Leistungsbedarf – ein zentraler alpiner Faktor.
Gegendrehmoment und Heckrotor
Das Hauptrotor-Drehmoment muss durch den Heckrotor kompensiert werden. Je mehr Power du am Kollektiv ziehst, desto mehr Torque entsteht – und desto mehr Heckrotorschub (und Heckrotorleistung) brauchst du. Die Pedale steuern den Pitch der Heckrotorblätter (Blade Feathering) und damit den anti-torque Thrust. Bei Schweizer Mustern wie dem R44 oder H125 musst du also wissen: Hoher Kollektivinput = stärkerer linker (bei rechtsdrehendem Rotor) Pedaltritt nötig.
Maximale Schwebehöhe OGE
Hover Ceiling OGE ist erreicht, wenn Power Required = Power Available. Beide Kurven sind Funktionen von Druckhöhe und OAT. Die Tabellen im RFM liefern dir die exakte Hover-Höhe in Abhängigkeit von Gewicht, Pressure Altitude und Temperatur. In der Schweiz prüfst du das vor jedem alpinen Flug – ein voll betankter R44 erreicht im Hochsommer auf 3'000 m oft kein OGE-Hover mehr.
Vertikalsteigflug
Beim vertikalen Steigen kommt zur induzierten Strömung die Steiggeschwindigkeit VC dazu. Der relative Anströmwinkel ändert sich, der AoA sinkt bei gleichem Pitch – daher muss Kollektiv nachgezogen werden. Der totale Leistungsbedarf setzt sich aus Induced Power, Climb Power (Mass × VC) und Profile Power zusammen, plus Heckrotorleistung. Vertikales Steigen ist energetisch teuer – deutlich teurer als Steigen im Vorwärtsflug mit Translational Lift.
Vorwärtsflug
Hier wird es asymmetrisch: Das vorlaufende Blatt (90°) sieht Rotor-RPM + Vorwärtsgeschwindigkeit, das rücklaufende Blatt (270°) sieht Rotor-RPM − Vorwärtsgeschwindigkeit. Ohne zyklischen Pitch entstünde Auftriebsasymmetrie. Cyclic Feathering gleicht das aus. Limitierungen: Kompressibilität/Mach-Effekte an der vorlaufenden Blattspitze (VNE-Obergrenze) und Retreating Blade Stall (hoher AoA bei niedriger Anströmgeschwindigkeit). Translational Lift ab ca. 15–25 kt reduziert den Induced Power Bedarf deutlich – deshalb hat die Power-Required-Kurve ein Minimum bei mittlerer Geschwindigkeit (Bucket Speed).
Schwebe- und Vorwärtsflug im Bodeneffekt (IGE)
Nahe am Boden (typisch innerhalb eines Rotordurchmessers) wird der Abwind gestört, die induzierte Geschwindigkeit sinkt, der Leistungsbedarf wird kleiner. Ein Heli, der IGE problemlos schwebt, kann OGE bereits am Limit sein – ein häufiger Stolperstein bei Berglandungen.
Vertikalabstieg und Autorotation
Bei mässigem Sinken mit Power droht Vortex Ring State (Settling with Power): Der Rotor saugt seinen eigenen Abwind wieder an, Auftrieb bricht ein, Power Pull verschlimmert die Lage. Recovery: Cyclic vor, aus dem Ringwirbel rausfliegen. Bei Triebwerksausfall: sofort Kollektiv senken, Aufwärtsströmung etabliert Autorotation, Rotor-RPM wird über Kollektiv stabilisiert, Heckrotor liefert weiter Yaw-Kontrolle.
Autorotation im Vorwärtsflug und Landung
Im Vorwärtsflug-Auto strömt Luft von unten durch die Scheibe, Rotor-RPM wird durch die Auto-Rotation-Zone aufrechterhalten. Beim Flare kurz über Grund: Rotor Thrust steigt, Vertikal- und Bodengeschwindigkeit werden reduziert, anschliessend Kollektiv ziehen für sanftes Aufsetzen. Die Height-Velocity-Diagramm ("Dead Man's Curve") zeigt die kritischen Kombinationen aus Höhe und Geschwindigkeit, in denen eine sichere Autorotation nicht mehr möglich ist – Pflichtwissen für die BAZL-Prüfung.
Prüfungsrelevanz
In der BAZL-Theorie 080 ist Hauptrotoraerodynamik einer der grössten Frageblöcke. Erwarte Fragen zu AoA-Berechnung aus Pitch und induziertem Winkel, Power-Required-Kurven, VRS-Erkennung, Translational Lift und H/V-Diagramm. Wer die Mechanik verstanden statt nur auswendig gelernt hat, beantwortet auch unbekannte Frage-Varianten korrekt.