Kräfte im Geradeausflug und in Kurven
Im stationären Horizontalflug (straight horizontal steady flight) sind alle vier Hauptkräfte im Gleichgewicht: Auftrieb = Gewicht, Schub = Widerstand. Die Fluggeschwindigkeit ist konstant, der Flugweg horizontal. Sobald eine Kraft überwiegt, ergibt sich eine Beschleunigung oder eine Bahnneigung.
Im stationären Steigflug (straight steady climb) wird ein Teil des Schubs benötigt, um die Gewichtskomponente entlang der Flugbahn zu überwinden. Vereinfacht gilt: Schub = Widerstand + Gewicht · sin(γ), wobei γ der Steigwinkel ist. Der Auftrieb ist im Steigflug etwas kleiner als das Gewicht, weil er nur die senkrechte Gewichtskomponente trägt.
Im stationären Sinkflug (straight steady descent) liefert die Gewichtskomponente entlang der Flugbahn einen Teil des nötigen Vortriebs. Schub plus Hangabtrieb halten den Widerstand im Gleichgewicht.
Der stationäre Gleitflug (straight steady glide) ist der Sonderfall Schub = 0. Hier bestimmt allein das Gleitverhältnis L/D den minimal möglichen Sinkwinkel. Das beste Gleiten entspricht dem maximalen L/D. Für den Helikopter ist das konzeptionell wichtig, weil die Autorotation aerodynamisch ein Gleitflug mit drehendem Rotor ist.
Stationäre koordinierte Kurve
In der steady coordinated turn liegt der Auftriebsvektor in der Symmetrieebene des Luftfahrzeugs und ist um den Querneigungswinkel φ zur Vertikalen gekippt. Die vertikale Auftriebskomponente trägt das Gewicht, die horizontale liefert die Zentripetalkraft.
- Bank angle (φ): Je grösser die Querneigung, desto enger der Radius bei gleicher Geschwindigkeit. Bei 60° Bank verdoppelt sich das Lastvielfache (n = 2).
- Load factor (n): n = 1 / cos(φ). Beispiele: 30° → n ≈ 1.15; 45° → n ≈ 1.41; 60° → n = 2.0. Die Stall-Geschwindigkeit steigt mit √n.
- Turn radius (r): r = V² / (g · tan φ). Bei gleichem Bank Angle wächst der Radius quadratisch mit der Geschwindigkeit — ein Grund, in engen Alpentälern die Geschwindigkeit anzupassen, statt einfach stärker zu querneigen.
- Rate one turn: Standardkurvenrate von 3°/Sekunde, d.h. eine volle 360°-Drehung in 2 Minuten. Faustregel für den nötigen Bank Angle: φ ≈ V[kt]/10 + 7 (TAS in Knoten).
Die Kurve gilt als koordiniert, wenn der Schiebeball mittig steht — Quer- und Seitenruder werden so eingesetzt, dass keine seitliche Beschleunigung auftritt.
Warum dieses Topic in der BAZL-Prüfung relevant ist
Auch wenn du auf einem Helikopter ausgebildet wirst, prüft die EASA-/BAZL-Theorie die Grundlagen der Starrflügel-Flugmechanik bewusst mit. Die Begriffe Lastvielfaches, Kurvenradius, Standardkurvenrate und Gleitwinkel tauchen 1:1 in der Helikopter-Praxis wieder auf — etwa bei der Berechnung der Stallgeschwindigkeit in Kurven, beim Verständnis der Autorotation und beim Auslegen von Pattern-Kurven. Rechenaufgaben zu n = 1/cos φ und Standardkurve sind klassische Prüfungsfragen.