Flattern und Geschwindigkeitsgrenzen
Flattern (Flutter) ist eine selbsterregte, oft destruktive Schwingung von Tragflächen oder Steuerflächen, die bei hohen Geschwindigkeiten und elastischer Kopplung zwischen Auftrieb und Verformung entsteht. Um Flutter und strukturelle Überlastung zu vermeiden, definiert die Zulassung mehrere Geschwindigkeitslimits:
- VFE (Maximum Flap Extended Speed): Höchstgeschwindigkeit mit ausgefahrenen Klappen – auf dem ASI durch das obere Ende des weissen Bogens markiert.
- VNO (Maximum Normal Operating Speed): Obergrenze des normalen Reisebereichs (oberes Ende des grünen Bogens). Darüber – im gelben Bogen – nur in ruhiger Luft und mit Vorsicht.
- VNE (Never Exceed Speed): Absolute Höchstgeschwindigkeit, markiert durch den roten Strich. Ein Überschreiten kann Flutter oder strukturelles Versagen auslösen.
Manövrierdiagramm
Das Manövrierdiagramm (V-n-Diagramm) zeigt den zulässigen Bereich aus Geschwindigkeit (V) und Lastvielfachem (n, load factor). Die wichtigsten Elemente:
- Lastfaktor n: Verhältnis Auftrieb zu Gewicht. Im Geradeausflug n = 1, im 60°-Kurvenflug n = 2.
- Accelerated Stall Speed: Mit steigendem Lastfaktor steigt die Überziehgeschwindigkeit (vS·√n).
- VA (Manoeuvring Speed): Die Geschwindigkeit, bei der das Flugzeug bei vollem Steuerausschlag genau das zulässige Lastvielfache erreicht, bevor es überzieht. Über VA können volle Ruderausschläge die Struktur überlasten.
- Manoeuvring Limit Load Factor: Maximales Lastvielfaches je Zulassungskategorie – z. B. +3.8 g / −1.52 g für Normal, +4.4 g für Utility, +6.0 g für Aerobatic.
- Massenbeitrag: VA sinkt bei geringerer Masse, weil das Flugzeug bei Böen oder Manövern leichter beschleunigt wird.
Böendiagramm
Das Böendiagramm (Gust Envelope) ergänzt das V-n-Diagramm um Lasten durch vertikale Böen. Eine plötzliche Vertikalbö ändert den Anstellwinkel und damit den Auftrieb – das erzeugt einen zusätzlichen Lastfaktor. Faktoren, die Böenlasten erhöhen:
- Höhere Fluggeschwindigkeit (linearer Einfluss auf den Lastanstieg)
- Stärkere Böe (höhere Vertikalgeschwindigkeit der Bö)
- Geringere Flügelflächenbelastung (Gewicht/Fläche) – ein leichtes Flugzeug reagiert empfindlicher
- Höherer Auftriebsanstiegsgradient (Cl-α-Kurve)
- Geringere Flughöhe (höhere Luftdichte)
In turbulenter Luft – etwa im Lee der Voralpen bei Nordföhn – reduziert man deshalb auf die Turbulence Penetration Speed (VRA bzw. VB), die unterhalb VNO und meist nahe VA liegt.
Prüfungsrelevanz
Das BAZL prüft im Fach 080 typischerweise das Ablesen von VNE/VNO/VFE auf dem ASI, die Definition von VA und ihre Massenabhängigkeit sowie die Faktoren, welche die Böenlast bestimmen. Rechenaufgaben zur beschleunigten Überziehgeschwindigkeit (vS·√n) gehören zum Standard.