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Topic 010.10

Anhang 12: Such- und Rettungsdienst

Anhang 12 zum Chicagoer Abkommen regelt den internationalen Such- und Rettungsdienst (Search and Rescue, SAR). Für dich als angehender Helikopter-Pilot ist dieses Thema doppelt relevant: Einerseits kannst du selbst in eine Notlage geraten und auf SAR-Dienste angewiesen sein, andererseits wirst du als PIC verpflichtet, bei Beobachtung eines Unfalls oder Empfang eines Notsignals zu reagieren. Gerade in der Schweiz mit ihrem alpinen Gelände – wo Rega und Kantonspolizei eng zusammenarbeiten – ist das Verständnis der internationalen SAR-Verfahren und Signale praxisnah. Du musst die Boden-Luft-Sichtzeichen erkennen, wissen wie du mit deinem Helikopter einem Schiff oder einer Bodenstation Informationen übermitteln kannst, und die korrekten Verfahren am Unfallort beherrschen. Dieses Topic gehört zum Fach 010 Luftrecht und wird in der BAZL-Theorieprüfung mit Fragen zu Definitionen, Verfahren und insbesondere zum visuellen Signalcode geprüft.

3 Sub-Topics, eingebettet in Luftrecht. Lerne sie systematisch mit FSRS-Karten und einem KI-Tutor zum Nachfragen.

Wesentliche Definitionen

Anhang 12 definiert die zentralen Begriffe rund um den Such- und Rettungsdienst. Dazu gehören die drei Notfallphasen: Uncertainty Phase (INCERFA) – Ungewissheit über die Sicherheit eines Luftfahrzeugs; Alert Phase (ALERFA) – Befürchtung, dass die Sicherheit gefährdet ist; Distress Phase (DETRESFA) – begründete Annahme, dass das Luftfahrzeug und seine Insassen in unmittelbarer Gefahr sind. Weitere Schlüsselbegriffe sind das Rescue Coordination Centre (RCC), die Search and Rescue Region (SRR) sowie der SAR Mission Coordinator. Auch die Unterscheidung zwischen Search (Auffinden) und Rescue (Bergung und medizinische Erstversorgung) gehört zum Prüfungsstoff.

Verhalten als PIC am Unfallort und bei Notsignal-Empfang

Als Pilot in Command hast du klare Pflichten. Beobachtest du einen Unfall, musst du nach Möglichkeit Position, Anzahl sichtbarer Überlebender, Wetterbedingungen und Geländezustand melden. Empfängst du eine Notmeldung (z. B. auf 121.5 MHz), bist du verpflichtet, die Meldung zu quittieren, sofern möglich zu peilen und die nächstgelegene zuständige Stelle (in der Schweiz typischerweise Skyguide bzw. das zuständige RCC) zu informieren. Soweit es Treibstoff und eigene Sicherheit zulassen, sollst du zur Unfallstelle weiterfliegen, die Position genau bestimmen und nachfolgende SAR-Einheiten einweisen. Erst wenn diese eintreffen oder du selbst gefährdet bist, darfst du den Einsatz abbrechen.

Signale mit Wasserfahrzeugen

Wenn du als Pilot einem Schiff bedeuten willst, dass ein Luftfahrzeug es zur Hilfeleistung lenken möchte, gibt es definierte Manöver: Du kreist mindestens einmal um das Schiff, überfliegst es in geringer Höhe in die gewünschte Kurs-Richtung, wackelst mit der Maschine oder variierst Pitch und Drehzahl. Will das Schiff bestätigen, dass es verstanden hat, hisst es einen waagrechten weiss-rot gestreiften Wimpel oder sendet das Morsezeichen «T». Kann es nicht folgen, erfolgt ein internationales Antwortsignal «N» bzw. eine quadratische rote/weisse Flagge.

Boden-Luft-Sichtzeichen und Luft-Boden-Signale

Überlebende am Boden verwenden den Ground-Air Visual Signal Code: «V» bedeutet «benötige Hilfe», «X» «benötige ärztliche Hilfe», «N» «nein», «Y» «ja», ein Pfeil zeigt die Marschrichtung an. Diese Zeichen werden möglichst gross (mindestens 2.5 m) und kontrastreich am Boden ausgelegt. Als Pilot bestätigst du den Empfang tagsüber durch Wackeln mit den Flügeln (bzw. mit dem Helikopter) oder durch zweimaliges Aufblinken der Landescheinwerfer in der Nacht. Konntest du das Signal nicht lesen, kreist du oder fliegst einen vollständigen Rechtskreis.

Prüfungsrelevanz BAZL

Die BAZL-Theorieprüfung fragt regelmässig die drei Notfallphasen, die Bedeutung der Sichtzeichen V, X, N, Y sowie die Bestätigungsverfahren des Piloten ab. Lerne die Symbole bildlich – sie sind in jeder Prüfungs-Datenbank vertreten und für deine spätere Praxis lebensrettend.

Beispielkarten

Karten aus diesem Topic, wie sie in der App aussehen.

Wann wird die Ungewissheitsphase (INCERFA) ausgerufen?

Wenn Ungewissheit über die Sicherheit eines Luftfahrzeugs und seiner Insassen besteht — typischerweise wenn innerhalb von 30 Minuten nach erwartetem Meldezeitpunkt keine Meldung eingeht oder das Luftfahrzeug eine erwartete Position nicht meldet.

INCERFA («uncertainty phase») ist die niedrigste Stufe. Sie löst zunächst Erkundigungen und Informationsbeschaffung aus, noch keine aktive Suche.

Welche der drei Notfallphasen entspricht der höchsten Dringlichkeitsstufe und löst die aktive SAR-Operation aus?

Die Notphase (DETRESFA). Sie ist die höchste der drei Stufen und führt zur Alarmierung und zum Einsatz der SAR-Kräfte.

Die Reihenfolge der Eskalation ist INCERFA → ALERFA → DETRESFA. Erst bei DETRESFA wird die eigentliche Suchaktion aktiv durchgeführt.

Wann wird die Notphase (DETRESFA) ausgerufen?

Wenn begründete Gewissheit besteht, dass ein Luftfahrzeug und seine Insassen in ernster und unmittelbarer Gefahr sind oder Hilfe benötigen — z.B. nach ALERFA bei erfolglosen Versuchen oder wenn der Treibstoff erschöpft bzw. nicht mehr ausreichend ist, um sicher zu landen.

DETRESFA («distress phase») ist die höchste Stufe. SAR-Einsatzkräfte werden aktiv alarmiert und die eigentliche Such- und Rettungsoperation wird eingeleitet.

Fragen, die du beantworten können solltest

FAQ

Welche Notfrequenz wird im SAR-Kontext verwendet?

Die internationale zivile Notfrequenz ist 121.5 MHz (UKW). Diese wird von Skyguide und den meisten SAR-Diensten kontinuierlich überwacht. Auch ELTs (Emergency Locator Transmitter) senden auf 121.5 MHz sowie auf 406 MHz an Satelliten (Cospas-Sarsat-System). Als PIC solltest du 121.5 MHz im Reiseflug nach Möglichkeit auf einem zweiten COM mithören – nicht nur formell empfohlen, sondern praktisch oft entscheidend, um eine Notmeldung überhaupt zu hören und weiterzuleiten.

Was ist das Boden-Luft-Sichtzeichen «V» und wann wird es eingesetzt?

Das Zeichen «V» bedeutet im internationalen Ground-Air Visual Signal Code «benötige Unterstützung» bzw. «require assistance». Es wird von Überlebenden eines Unfalls oder vermissten Personen am Boden gross (mindestens 2.5 m) und kontrastreich ausgelegt – etwa aus Ästen, Steinen, Kleidungsstücken oder im Schnee getreten. Als überfliegender Pilot solltest du das Zeichen erkennen, die Position genau festhalten und unverzüglich an das RCC bzw. Skyguide melden. Bestätige den Empfang durch Wackeln mit dem Helikopter oder Blinken der Landescheinwerfer.

Bin ich als Privatpilot verpflichtet, bei einem Notsignal einzugreifen?

Ja. Anhang 12 verpflichtet jeden PIC, der ein Notsignal empfängt oder einen Unfall beobachtet, im Rahmen seiner Möglichkeiten zu helfen. Das bedeutet: Position bestimmen, Meldung an die zuständige Stelle absetzen und – falls Treibstoff, Wetter und eigene Sicherheit es zulassen – zur Unfallstelle weiterfliegen, um SAR-Einheiten einzuweisen. Diese Pflicht endet, wenn du selbst gefährdet wärst oder wenn offizielle Rettungskräfte den Einsatz übernommen haben. In der Schweiz koordiniert dies typischerweise Skyguide gemeinsam mit der Rega.

Wie funktioniert SAR in der Schweiz konkret?

In der Schweiz ist Skyguide für die Auslösung der SAR-Alarmierung im Luftraum zuständig. Die operative Rettung übernimmt – je nach Gelände – die Rega (Schweizerische Rettungsflugwacht), die Kantonspolizei oder die Luftwaffe. Das nationale Rescue Coordination Centre koordiniert Einsätze nach den ICAO-Annex-12-Vorgaben. Im alpinen Umfeld ist die Rega mit ihren Helikoptern oft erste Wahl. Für Piloten gilt: Bei Notlage 121.5 MHz, Squawk 7700, oder direkt Rega-Notruf 1414 nutzen – die Alarmierungswege sind unter Schweizer Privatpiloten Pflichtwissen.

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