Antenneneigenschaften
Eine Antenne wandelt elektrische Energie in elektromagnetische Wellen um (Sender) oder umgekehrt (Empfänger). Entscheidend sind drei Eigenschaften: Länge, Polarisation und Richtwirkung. Die Antennenlänge steht in direktem Verhältnis zur Wellenlänge — typisch ist λ/2 oder λ/4. Deshalb sind VHF-COM-Antennen am Helikopter nur rund 60 cm lang, während Langwellenantennen am Boden hunderte Meter messen. Die Polarisation beschreibt die Orientierung des elektrischen Feldes: VHF-COM in der Luftfahrt ist vertikal polarisiert, weshalb auch die Bordantennen vertikal montiert sind. Antennen können omnidirektional (Rundstrahler, z. B. VOR-Bordantenne) oder richtend (z. B. Wetterradar) sein. Eine falsch ausgerichtete oder beschädigte Antenne kann die Reichweite drastisch reduzieren.
Wellenausbreitung in den Frequenzbändern
Jedes Frequenzband hat charakteristische Ausbreitungseigenschaften:
- VLF/LF (3–300 kHz): Sehr lange Wellen folgen als Bodenwelle der Erdkrümmung, grosse Reichweite, kaum durch Gelände blockiert. Genutzt für Längstwellennavigation und einige NDBs.
- MF (300 kHz – 3 MHz): Bereich klassischer NDBs (Non-Directional Beacons). Tagsüber dominiert die Bodenwelle, nachts kommt die Raumwelle über Reflexion an der Ionosphäre dazu — daraus resultiert der bekannte Nachteffekt mit Peilfehlern.
- HF (3–30 MHz): Reine Raumwellen-Ausbreitung über Ionosphären-Reflexion, transkontinentale Reichweite, genutzt im Langstrecken-Flugfunk über Ozeanen.
- VHF (30–300 MHz): Quasi-optische Ausbreitung — Signale breiten sich praktisch geradlinig aus, Reichweite entspricht der Sichtlinie. Genutzt für COM, VOR und ILS-Localizer. In den Alpen bedeutet das: hinter einem Bergrücken kein Empfang. Die Reichweite steigt mit der Flughöhe.
- UHF/SHF (300 MHz – 30 GHz): Ebenfalls Sichtlinie, genutzt für DME, Transponder, GPS und Radar. Bei sehr hohen Frequenzen treten Dämpfung durch Regen und Atmosphäre zunehmend auf.
Als Faustregel gilt: Je höher die Frequenz, desto geradliniger die Ausbreitung und desto weniger Beugung um Hindernisse. Tiefe Frequenzen sind robust, aber störanfällig und ungenau; hohe Frequenzen sind präzise, aber an Sichtverbindung gebunden.
Relevanz für die BAZL-Prüfung
In der PPL(H)-Theorie tauchen regelmässig Fragen auf wie: «Welche Welle ist nachts für NDB-Peilfehler verantwortlich?» oder «Warum bricht VHF-Empfang im Tal ab?». Wer die Bänder und Ausbreitungsarten zuordnen kann, beantwortet diese Fragen ohne Auswendiglernen. Auch im praktischen Fliegen in der Schweiz ist das Verständnis wertvoll — etwa wenn du erklären kannst, warum der Funkkontakt zu Genève Info hinter dem Jurakamm verschwindet.