Vereisung
Eis bildet sich am Luftfahrzeug, wenn unterkühlte Wassertröpfchen auf eine Oberfläche mit Temperatur unter 0 °C treffen. Der kritische Temperaturbereich liegt zwischen 0 °C und etwa −20 °C, mit dem höchsten Risiko zwischen 0 °C und −10 °C. Unterschieden werden Raueis (klein, weiss, opak — bei tiefen Temperaturen), Klareis (gross, glasig, schwer — bei wärmeren Temperaturen nahe 0 °C) und Mischeis. Für Helikopter ist Rotorvereisung besonders gefährlich: Sie zerstört das Profil der Blätter, erhöht den Leistungsbedarf massiv und kann zu asymmetrischer Belastung führen. Die meisten Schul- und Privathelikopter sind nicht für Flug in bekannten Vereisungsbedingungen zugelassen. Vermeidung heisst: Wolken bei Minustemperaturen meiden, Gefrierregen sofort verlassen, Höhenwechsel in wärmere Luft einleiten.
Turbulenz
Turbulenz entsteht durch mechanische Ursachen (Hindernisse, Geländerauigkeit), Thermik, Windscherung und konvektive Aktivität. Sie beansprucht die Zelle, reduziert die Steuerbarkeit und ermüdet die Crew. Im Helikopter ist starke Turbulenz zusätzlich heikel, weil sie Mast Bumping (bei zweiblättrigen Systemen) oder Low-G-Situationen auslösen kann. Vermeidung: bei Lee-Turbulenz Abstand zu Bergkämmen halten, frühmorgens fliegen wenn Thermik schwach ist, kritische Manöver in ruhiger Luft planen.
Windscherung
Windscherung ist die Änderung von Windrichtung oder -geschwindigkeit über eine kurze Distanz. Sie tritt auf an Fronten, in Inversionen, bei Gewittern (Downburst), an Berghängen und in der Grenzschicht. Effekte: plötzlicher Verlust oder Gewinn an angezeigter Geschwindigkeit, ungewollte Höhenänderung. Im Anflug auf einen Heliport im Talgrund kann eine Talwind-Hangwind-Scherung den Anflugpfad innert Sekunden verändern.
Gewitter
Gewitter benötigen drei Zutaten: Feuchte, Instabilität, Hebung. Die drei Phasen — Cumulus, Mature, Dissipating — dauern typisch je 20–30 Minuten. Gefahren: Hagel, Vereisung, schwere Turbulenz, Blitzschlag, Downburst/Microburst und Squall Lines. Ein Microburst kann Windgeschwindigkeitsänderungen von mehreren zehn Knoten in Sekunden produzieren — für einen Helikopter im Schwebeflug existenzbedrohend. Faustregel: mindestens 10 NM (≈ 18 km) Abstand zu aktiven CB, niemals unter einer Cumulus-congestus-Wolke durchfliegen.
Inversionen und Flugleistung
In einer Inversion nimmt die Temperatur mit der Höhe zu statt ab. Folgen für den Helikopter: über der Inversion ist die Luft wärmer und dünner — die Leistung des Triebwerks und der Rotor-Wirkungsgrad sinken (höhere Dichtehöhe). Unter der Inversion sammeln sich Schadstoffe, Dunst und Feuchte, was die Sicht erheblich reduziert. Im Schweizer Mittelland sind winterliche Hochnebellagen ein klassisches Beispiel.
Gefahren in Gebirgsgebieten
Im Gebirge addieren sich praktisch alle Gefahren: orografische Hebung erzeugt Wolken und Niederschlag, Leewellen (Mountain Waves) reichen weit ins Lee mit Rotoren am Boden und Aufwinden über dem Kamm. Föhn ist der Schweizer Klassiker: starke Leewellen über den Alpen, schwere Turbulenz im Reuss- und Rheintal, gleichzeitig oft klare Sicht, die täuscht. Talinversionen halten kalte Luft im Talgrund, darüber liegt die Föhnmauer. Anflug auf Bergheliports erfordert Wissen über Hangwind, Up- und Downdraft auf Luv- und Leeseite.
Sichtmindernde Phänomene
Niederschlag (Regen, Schnee, Sprühregen), Nebel, Dunst (Mist/Haze), Rauch, Staub und Sandsturm reduzieren die Flugsicht. Für VFR-Flug in der Schweiz sind besonders Hochnebel, Strahlungsnebel im Mittelland und Schneeschauer im Gebirge relevant. Whiteout über Schnee und Brownout über trockenem Boden sind landungsspezifische Helikopter-Risiken.
In der BAZL-Prüfung wird Fluggefahren breit abgefragt — von Definitionen über Entstehungsbedingungen bis zu konkreten Vermeidungsstrategien. Wer hier solide ist, beantwortet erfahrungsgemäss einen grossen Teil der Met-Fragen sicher.